Rochester – Fampridin, ein oral verfügbarer Kaliumkanalblocker, kann die Gehfähigkeit von Patienten mit multipler Sklerose verbessern. Dies zeigen zwei Phase-III-Studien, von denen eine jetzt im im Lancet (2009; 373: 732-38) publiziert wurde. Der Hersteller hat in den USA die Zulassung beantragt.
Anzeige
Fampridin oder 4-Aminopyridin wird seit langem in der Grundlagenforschung angewendet, da der Wirkstoff selektiv die Kaliumkanäle auf Nervenzellen blockiert, was eine Verlängerung des Aktionspotenzials zur Folge hat. Die Hoffnung, dass dies bei Patienten, die an einer multiplen Sklerose erkrankt sind, die vom Immunsystem attackierten Neurone vorübergehend stabilisieren kann, ist nicht neu. Der Wirkstoff wurde bereits in einer Reihe kleinerer Studien untersucht, doch die Cochrane Collaboration kam 2002 zu dem Schluss, dass eine günstige Wirkung auf die Lähmungserscheinungen nicht belegt ist.
Der Hersteller initiierte daraufhin die jetzt publizierte Phase-III-Studie, an der 301 Patienten teilnahmen, die noch in der Lage waren, eine 25-Fuß lange Gehstrecke innerhalb von 45 Sekunden zurückzulegen. Die Studie sollte untersuchen, ob die Therapie mit zweimal täglich 10mg Fampridin die Zeit, welche die Patienten für diesen Fußweg benötigen, verkürzen kann. Bei jedem dritten Patienten (35 Prozent) war dies tatsächlich der Fall, während auf Placebo nur 8 Prozent ansprachen. Bei den Respondern kam es zu einer Verbesserung der Gehgeschwindigkeit um 25 Prozent.
Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, welcher Patient von der Behandlung profitieren wird, was auch für die Nebenwirkungen zutrifft. Zwar ist es dem Hersteller gelungen, die Verträglichkeit durch eine Retardformulierung zu verbessern. Bei zwei Patienten kam es jedoch zu schweren Nebenwirkungen.
Ein Patient erlitt eine schwere Angstattacke. Er war allerdings vor Beginn der Studie bereits wegen Angststörungen und Schlaflosigkeit mit Diazepam behandelt worden. Der andere Patient erlitt einen fokalen Krampfanfall. Ein Auslöser könnte eine Sepsis nach einer Lungenentzündung gewesen sein.
Epileptische Anfälle gehören aber zu den plausiblen Nebenwirkungen eines Wirkstoffs, der das Aktionspotenzial stabilisiert. Eine Krampfneigung dürfte sicherlich zu den Kontraindikationen des Medikamentes gehören, sollte es bei der multiplen Sklerose zugelassen werden. In Europa strebt der Hersteller auch eine Zulassung beim Guillain-Barré-Syndrom an.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.