Suchen in

  • Archiv
  • News
  • Foren
  • Blogs
  • Preise
6.544 News Medizin

Medizin

USA: Praktisch alle Grippeviren resistent auf Tamiflu

Dienstag, 3. März 2009

Atlanta/Leiden – Praktisch alle Influenzaviren der aktuellen Grippewelle sind nach den Ergebnissen einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt resistent gegen Oseltamivir (JAMA 2009; 301: 1066-1069). Als Grund nennen die Editorialisten auch den unkritischen Einsatz des Virustatikums (JAMA 2009; 301: 1066-1069). Zudem scheint die anfängliche Hoffnung, die Resistenzmutation würde die Virulenz der Erreger schwächen, nicht einzutreten (JAMA 2009; 301: 1042-1046). 

Anzeige

dpa

Bereits im Dezember 2008 hatten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bekannt gegeben, dass die meisten zirkulierenden Grippeviren vom Stamm H1N1 resistent gegen Oseltamivir sind. Nach den jetzt vom CDC-Team um Nila Dharan vorgestellten Daten beträgt die Prävalenz 98,5 Prozent, was eine erstaunliche Zunahme gegenüber der Saison 2007/2008 darstellt, als der Anteil erst bei 19 Prozent lag. In den Jahren zuvor hatte es nur sporadische Fälle gegeben.

Die Gründe für die Ausbreitung sind nicht klar. Eine unkritische Verwendung von Oseltamivir (Tamiflu®) scheidet allerdings aus. Sie könnte nicht erklären, warum im letzten Jahr die mit Abstand höchste Prävalenz von Resistenzen (67 Prozent) ausgerechnet aus Norwegen gemeldet wurde, wo Tamiflu nur gegen Rezept ausgegeben und daher selten angewendet wird.

Die Editorialisten David Weinstock vom Dana-Farber Cancer Institute und Gianna Zuccotti vom Brigham and Women's Hospital, beide in Boston, haben eine andere Erklärung: Sie vermuten, dass die Resistenzmutation H274Y den Viren einen Selektionsvorteil gegenüber anderen Stämmen verschafft, der nicht in der Wirkungslosigkeit von Oseltamivir zu suchen ist, sondern in einer gesteigerten „Fitness“ des Virus.

Sie warnen davor, dass die Resistenzen auch auf andere N1-haltige Grippeviren überspringen könnten, darunter das Vogelgrippevirus H5N1. In diesem Fall wären die für den Ernstfall gelagerten Tamiflu-Vorräte wertlos. Andere Grippeviren, etwa der Stamm H3N2 oder Influenza B-Stämme sind von der Resistenz (bisher) nicht betroffen. 

So sehr die rasche und wohl globale Ausbreitung der Oseltamivir-Resistenzen die Experten auch überraschte. Sie ist nach Angabe von Weinstock und Zuccotti nicht einzigartig. In der Saison 2005/2006 war es zur Ausbreitung von Influenzaviren des Stammes A(H3N2) gekommen, die zu 92,3 Prozent resistent gegen Adamantane (Amantadin und Ramantidin) waren. In der Saison zuvor hatte der Anteil nur 14,5 Prozent betragen. Grippeviren, das wissen die Experten seit langem, sind extrem variabel, weshalb der Impfstoff regelmäßig aktualisiert werden muss. 

Einige Experten hatten in den letzten Monaten gehofft, die Oseltamivir-Mutation könnte das Übertragungsrisiko mindern und einen abgeschwächten Verlauf der Erkrankung bei den Infizierten zur Folge haben. Die Analyse einer kleinen nosokomialen Ausbreitung in den Niederlanden, die Jairo Gooskens von der Universität Leiden vorstellen, spricht gegen diese Erwartung.

Die Forscher können anhand einer genetischen Analyse der Erreger zeigen, wie ein Patient, der wegen einer rheumatischen Erkrankung mit Prednisolon behandelt wurde, drei weitere Patienten in den Klinik mit oseltamivirresistenten Viren infizierte, von denen zwei starben. Beide waren ebenfalls lymphozytopenisch, was den schweren Verlauf der Erkrankung begünstigt haben wird.

Die Studie zeigt aber, dass die Gabe von Oseltamivir ohne Kenntnis der Resistenzen in derartigen Situationen wertlos ist. Eine Kreuzresistenz zum anderen Neuraminidasehemmer Zanamivir (Relenza®) besteht nicht, den die CDC derzeit als Mittel der Wahl betrachtet – eventuell sogar in Kombination mit Oseltamivir. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

  • Drucken
  • Kommentieren
  • Teilen
  • Versenden
  •  
    Merken

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste