9.979 News Medizin

Medizin

Low-Dose-Vitamin K als Antidot nach Überdosierung von oralen Antikoagulanzien wirkungslos

Dienstag, 3. März 2009

Hamilton/Ontario – Eine niedrig dosierte Gabe von Vitamin K kann bei einer Überdosierung mit oralen Antikoagulanzien zwar helfen, die Gerinnungswerte zu normalisieren. Eine Reduktion des Blutungsrisikos wurde in einer multizentrischen Studie in den Annals of Internal Medicine (2009; 150: 293-300) jedoch nicht erzielt.

Vitamin K-Antagonisten wie Warfarin oder Phenprocoumon gehören zu den riskantesten Wirkstoffen in der Inneren Medizin, da die therapeutische Breite gering ist und die Dosierung infolge der von Patient zu Patient sehr unterschiedlichen Pharmakokinetik sehr schwierig ist. Im Fall einer schweren Überdosierung muss das Medikament sofort abgesetzt werden. Zusätzlich erhalten die Patienten Vitamin K, das die oralen Antikoagulanzien von der Bindungsstelle der Vitamin K-Epoxid-Reduktase verdrängen kann.
 

Dies gelang auch in einer randomisierte klinischen Studie, die Mark Crowther von der McMaster Universität in Hamilton/Ontario an 724 Patienten aus Kanada, den USA und Italien durchführten, bei denen es zu einem Anstieg der International Normalized Ratio (INR) auf 4,5 bis 10 gekommen war. Die eine Hälfte der Patienten wurde mit Placebo behandelt, die anderen erhielten 1,25 mg Vitamin K oral – selbstverständlich wurde Warfarin in beiden Gruppen abgesetzt.

Die Auswirkungen auf die INR waren bereits am folgenden Tag erkennbar. Während die INR im Placebo-Arm um 1,4 Einheiten sank, fiel der Wert nach Gabe des Antidots Vitamin K um 2,8 Einheiten. Eine positive Auswirkung auf das Blutungsrisiko konnten die Mediziner jedoch nicht feststellen.

Der Anteil der Patienten, die innerhalb der ersten Woche wenigstens eine Blutungskomplikation erlitten, sank von 9,2 Prozent im Placebo-Arm auf 7,9 Prozent. Der Unterschied war nicht signifikant. Auch im Zeitraum der ersten 90 Tage gab es keine Unterschiede: 15,8 Prozent unter Vitamin K versus 16,3 unter Placebo erlitten eine Blutungskomplikation.

Ebenso gab es zu diesem Zeitpunkt keine signifikanten Unterschiede in der Rate der Thromboembolien (1,1 vs. 0,8 Prozent) und in der Zahl der Todesfälle (2,0 vs. 1,9 Prozent). Immerhin: Die Zahl der Patienten mit schweren Blutungen (tödlich oder mindestens 2 Blutkonserven notwendig) wurde von 2,5 auf 1,1 Prozent mehr als halbiert. Da die Zahl der betroffenen Patienten jedoch gering war (9 vs. 4 Patienten), wurde auch hier das Signifikanzniveau verfehlt. 

Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass die low-dose-Therapie bei INR-Werten von 4,5 bis 10 einen geringen Wert hat und das Absetzen der oralen Antikoagulation ausreichend sein könnte. Dies gelte nicht für Patienten mit aktiven Blutungen mit höheren INR-Werten oder solchen, bei denen beispielsweise wegen einer nicht aufschiebbaren Operation eine akute Normalisierung der INR erforderlich ist.

Anzeige

© rme/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
9.979 News Medizin

Nachrichten zum Thema

04.05.15
Hamburg – Die Techniker Krankenkasse (TK) wirft den Ärzten vor, zu häufig die neuen – und teuren – oralen Antikoagulanzien (NOAK) zu verschreiben. Laut Arzneimitteldaten der Kasse erhielten zum...
25.02.15
Rasche Normalisierung der Blutgerinnung und Blutdrucksenkung kann Hirnblutung unter Marcumar begrenzen
Erlangen – Eine rasche Normalisierung der Blutgerinnung und eine Kontrolle des systolischen Blutdrucks können bei einer zerebralen Blutungskomplikation der oralen Antikoagulation das Ausmaß des...
19.01.15
Frankfurt – Auf die Bedeutung einer gerinnungshemmenden Therapie für Patienten mit Vorhofflimmern hat die Deutsche Herzstiftung hingewiesen. „Durch die Gerinnungshemmung wird bei gefährdeten Patienten...
08.12.14
San Francisco – Bei chirurgischen Eingriffen wird die Gerinnungskaskade aktiviert, so dass sich das Risiko für tiefe Venenthrombosen (VTE) erhöht. Vorbeugend erhalten die Patienten im allgemeinen...
17.11.14
Koronarstent: Vorteile einer verlängerten dualen Antithrombo­zytentherapie
Boston – Eine Verlängerung der dualen Antithrombozytentherapie (DAPT) von 12 auf 30 Monate hat in einer großen randomisierten Studie die Zahl der Herzinfarkte durch Stent-Thrombosen verringert. Es kam...
04.11.14
US-Studie: Mehr Blutungs­komplikationen unter Dabigatran
Pittsburgh - Der Thrombin-Inhibitor Dabigatran, der Patienten mit Vorhofflimmern vor Schlaganfällen schützen soll, kann schwere Blutungen auslösen. Das Risiko ist einer Analyse von Medicare-Daten in...
11.08.14
Thrombin-Paradox: Gerinnungsfaktor könnte vor Herzinfarkt schützen
Homburg/Saar – Der Gerinnungsfaktor Thrombin ist an der Bildung der Blutgerinnsel in den Koronararterien beteiligt, die einen tödlichen Herzinfarkt auslösen können. Dennoch hatten Koronarpatienten in...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in