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Studie: Wein schützt vor Barrett-Ösophagus

Dienstag, 3. März 2009

Oakland/Belfast – Weintrinker erkranken einer Fall-Kontrollstudie in Gastroenterology (2009; 136: 1105-1106) zufolge seltener an einem Barrett-Ösophagus. Seine Vorstufe, die Refluxösophagitis, scheint nach einer anderen Studie in Gastroenterology (2009; 136: 1105-1106) dagegen durch einen hohen Alkoholkonsum in der Adoleszenz gefördert zu werden.

Zum Barrett-Ösophagus kommt es, wenn ein langdauernder gastroösophagealer Reflux zu einer Metaplasie der Schleimhaut geführt hat, die heute bei 5 Prozent aller Erwachsenen gefunden wird. Sie kann zum Ausgangspunkt für ein Adenokarzinom des Ösophagus werden, dessen Inzidenz sich in den letzten 3 Jahrzehnten verfünffacht hat.

Welche Faktoren diese pathogenetischen Vorgänge auslösen, ist nicht bekannt, doch Alkohol ist seit langem als eine Ursache im Gespräch. Die Gruppe um Douglas Corley von Kaiser Permanente, einem Versicherer mit Sitz in Oakland/Kalifornien, ist der Frage in einer Fall-Kontroll-Studie nachgegangen und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Menschen, bei denen ein Barrett-Ösophagus diagnostiziert wurde, hatten keineswegs häufiger Alkohol getrunken als Patienten mit einer gastroösophagealen Refluxerkrankung (GERD) oder gesunde Kontrollen. Für Weintrinker ermittelten die Forscher sogar ein um mehr als die Hälfte vermindertes Risiko (Odds Ratio 0,44; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,20-0,99).

Die Studie ergab weiterhin, dass Weintrinker häufiger einen höheren Bildungsstand hatten und auch häufiger Vitamine einnahmen. Die Berücksichtigung dieser Faktoren minderte in einer Multivariat-Analyse jedoch nicht die protektive Wirkung von Wein.

Der Wein scheint auch vor der Vorstufe GERD zu schützen, glaubt man den Ergebnissen einer zweiten Studie. Es handelt sich um eine Auswertung der „Factors INfluencing the Barrett's Adenocarcinoma Relationship“ oder FINBAR-Studie, in der Lesley Anderson von der Universität Belfast und Mitarbeiter Patienten mit Refluxösophagitis, Barrett-Ösophagus oder einem Adenokarzinom des Ösophagus interviewt hat und die Antworten mit den Angaben von gesunden Kontrollen verglich.

In dieser Studie halbierte regelmäßiger Weinkonsum das Risiko auf eine Refluxösophagitis (Odds Ratio 0,45; 0,27–0,75). Anderson fand jedoch auch heraus, dass ein starker Alkoholkonsum im Alter von 21 Jahren, das Risiko auf eine Reflux-Ösophagitis mehr als verdoppelte (Odds Ratio 2,24; 1,35–3,74).

Worauf die protektive Wirkung von Wein beruhen könnte, ist unklar. Corley vermutet, dass die Antioxidanzien aus der Weintraube die oxidativen Schäden durch den gastroösophagealen Reflux heilt. Es könnte aber auch sein, dass Weintrinker den Alkohol häufiger mit Speisen zu sich nehmen und deshalb die schädigende Wirkung geringer ist als bei anderen Getränken.

Völlig auszuschließen sei aber auch nicht, dass Weintrinker insgesamt gesundheitsbewusster sind und deshalb andere Noxen meiden, die für die Schäden verantwortlich sind, mit dem Weinkonsum aber in keinerlei Beziehung stehen. © rme/aerzteblatt.de

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