Politik

Zahl der Drogentoten auf Höchststand

Dienstag, 3. März 2009

Berlin – Die Zahl der Drogentoten in Deutschland hat wieder deutlich zugenommen. Im vergangenen Jahr starben bundesweit 1.449 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), am Dienstag in Berlin mitteilte. Das war der höchste Stand seit fünf Jahren und ein Anstieg gegenüber 2007 um 3,9 Prozent.

Die Ursachen seien noch nicht geklärt und sehr schwer nachzuvollziehen, sagte Bätzing. Auffällig sei jedoch, dass die Zahl der älteren Drogentoten steige. Mehr als 70 Prozent der Verstorbenen waren über 30 Jahre alt.

Anzeige

Diese Menschen seien nach jahrelanger Abhängigkeit häufig körperlich geschwächt und psychisch belastet. Die meisten Todesfälle seien auf eine Überdosis Heroin, häufig in Verbindung mit Alkohol oder Schlaf- und Beruhigungsmitteln, zurückzuführen. Etwa die Hälfte habe drei oder mehr Substanzen gleichzeitig konsumiert.

Als Konsequenz aus der jüngsten Entwicklung forderte Bätzing eine Reihe von Maßnahmen. Um das Überleben von Drogenabhängigen zu sichern, seien unter anderem die Einrichtung von Drogenräumen sinnvoll und eine qualitativ gestützte Substitutionstherapie mit Methadon oder Diamorphin.

So sei in Städten, die Drogenkonsumräume in einschlägigen Vierteln eingerichtet hätten, die Zahl der Todesfälle zurückgegangen. Die kontrollierte Gabe von Diamorphin habe sich in einem Modellprojekt mit einer kleinen Gruppe Schwerstabhängiger als erfolgreich erwiesen, sagte Bätzing weiter.

„Es geht darum, dass Menschen überleben können müssen – auch mit einer schweren Krankheit“, sagte Bätzing. „Jeder Todesfall ist ein Todesfall zu viel.“ Ersatztherapien sollten deshalb auch in Gefängnissen zur Verfügung stehen, denn es habe sich gezeigt, dass Todesfälle häufig nach einer Haftentlassung aufträten. Grund sei, dass die Häftlinge zwar nicht an Drogen kämen, ihre Sucht aber längst nicht geheilt und der Körper durch die Abstinenz entwöhnt sei.

Auch die Zahl der sogenannten erstauffälligen Konsumenten harter Drogen stieg im vergangenen Jahr erstmals seit 2004 wieder an, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte. 19.203 Drogenabhängige seien zum ersten Mal bei den Behörden auffällig geworden. Gegenüber 2007 war das ein Anstieg um drei Prozent. Der Trend gehe dabei offenbar weg vom „schmutzigen Heroin“ hin zu Lifestyledrogen wie Amphetamine, Ecstasy oder Kokain. Von den Erstauffälligen hätten rund 10.200 Amphetamine konsumiert.

Bei den Amphetamin-Süchtigen stieg 2008 die Zahl der Erstauffälligen um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei LSD war es ebenfalls eine Zunahme von neun Prozent, bei Ecstasy um sieben Prozent und bei Kokain um vier Prozent. Rückläufig waren die Zahlen bei Heroin (minus sechs Prozent), Crack (minus 30 Prozent) und kristallinem Metamphetamin (minus 22 Prozent).

Das BKA entdeckte 2008 zudem 25 Drogenlabore. Im Jahr zuvor waren es nur zehn gewesen. Ein großer Teil dieser Labore habe in Bayern und Sachsen nahe der Grenze zu Tschechien gearbeitet. Dort seien überwiegend Amphetamine hergestellt worden.

Bei den Sicherstellungen von Drogen gab es bei Amphetaminen und Metamphetaminen eine Zunahme um 53 Prozent von 800 Kilogramm 2007 auf 1,3 Tonnen 2008. Bei Heroin und Kokain wurde dagegen weniger Stoff sichergestellt als im Vorjahr, unter anderem da es hier anders als 2007 keinen großen Einzelfall gegeben habe, sagte Ziercke. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige