9.939 News Medizin

Medizin

Asbest: Hohes Mesotheliomrisiko bei Bauarbeitern

Mittwoch, 4. März 2009

London – In Großbritannien wird jeder zehnte Zimmermann, der in den 40er-Jahren geboren ist, an einem durch Asbest induzierten Krebs (Mesotheliom oder Lungenkrebs) erkranken. Dies berichten britische Epidemiologen im British Journal of Cancer (2009; doi: 10.1038/sj.bjc.6604879). Sie sehen auch für andere Bauarbeiter und sogar für deren Angehörige ein erhöhtes Lebenszeitrisiko.

In keinem anderen Land erkranken so viele Menschen an einem Mesotheliom wie in Großbritannien. Im Jahr 2005 starben 1.749 Menschen an diesem Tumor, der zumeist eine Spätfolge der beruflichen Asbestexposition in jungen Lebensjahren ist. Besonders gefährdet sind Menschen, die vor ihrem 30. Lebensjahr beruflich exponiert waren.

Das sind die Geburtsjahrgänge der 40er-Jahre, die während des Asbestbooms in den 60er-Jahren vor allem auf dem Bau den Asbeststäuben ausgesetzt waren. Sie wurden beim Zurechtschneiden der Platten aufgewirbelt, deren Einbau die Feuergefahr in den Gebäuden vermindert. Erst in den 70er-Jahren kam es zu Schutzmaßnahmen und später zum Produktionsverbot der Fasern, die über die Atemwege in die Lungen gelangen, wo sie nicht vom Immunsystem beseitigt werden und nach jahrzehntelanger Latenz ein Krebswachstum induzieren können. 

Die Stiftung Cancer Research UK hat zusammen mit der Arbeitsschutzbehörde (Health and Safety Executive) eine Fallkontrollstudie veranlasst, deren erste Auswertung jetzt vorlegt. Die Gruppe um den Epidemiologen Julian Peto von der London School of Hygiene and Tropical Medicine hat 622 Mesotheliom-Patienten telefonisch kontaktiert und die Angaben zu der beruflichen Exposition mit 1.420 gesunden Kontrollen verglichen.

Die Ergebnisse sind eindeutig und in ihrem Ausmaß eindrücklich. Zimmermänner der 40er-Geburtenjahrgänge hatten ein 50-fach höheres Risiko, an einem Mesotheliom zu erkranken als Beschäftigen in Berufen mit niedriger Exposition.

Das Lebenszeitrisiko dieser Personen beträgt 1 zu 17. Wenn man annimmt, dass auf jedes durch Asbest induzierte Mesotheliom noch ein Bronchialkarzinom hinzukommen, ergibt dies ein Lebenszeitrisiko von 1 zu 10, heißt es in der Pressemitteilung von Cancer UK. 

Neben den Zimmermännern hatten auch Klempner, Elektriker und Maler ein 17-fach erhöhtes Mesotheliomrisiko – Lebenszeitrisiko 1 zu 50. Für andere Bauarbeiter ermittelte die Gruppe um Peto ein 7-fach erhöhtes Risiko – Lebenszeitrisiko 1 zu 125.

Da die Arbeiter die Stäube mit der Kleidung nach Haus transportierten, lässt sich auch für die Verwandten ein 2-fach erhöhtes Mesotheliomrisiko nachweisen. Bei den Männern sind nur 14 Prozent der Erkrankungen (bei Frauen 62 Prozent) nicht durch Asbest induziert. 

Die gute Nachricht: Die Anwohner der Baustellen oder der Asbestfabriken haben nach Auskunft der Epidemiologen kein erhöhtes Risiko. Ebenso wenig sind die Bewohner der Häuser, in denen Asbest verarbeitet wurde, gefährdet, solange das Asbest nicht durch Renovierungsarbeiten an die Luft gelangt, wie Cancer UK hinzufügt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
9.939 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in