Montgomery lehnt Sterbehilfe durch Ärzte strikt ab
Dienstag, 10. März 2009
Frankfurt – Die Forderung des Medizinethikers Jochen Taupitz, Ärzte sollten Beihilfe zum Suizid leisten, trifft auf heftigen Widerspruch. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte der „Frankfurter Rundschau“ vom Montag: „Wir sind keine Mechaniker des Sterbens, wir sollen Leben retten.“ Taupitz' Äußerungen verstellten den Blick auf das eigentliche Problem, das Defizit an Palliativmedizin.
Der Wunsch von Patienten nach Sterbehilfe resultiere vor allem aus der Angst vor einem schmerzvollen Sterben – „die wir ihnen mit einer guten Schmerztherapie nehmen können“, sagte Montgomery. Dann wollten die Patienten ihr Leben auch würdig beenden – „und nicht abgespritzt werden wie ein Tier in der Praxis eines Veterinärs“.
Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) warnte vor einer fundamentalen Veränderung des Berufsbilds der Ärzte. Deren Berufsethos habe er immer so verstanden, dass sie „Hilfe zum Leben, nicht zum Sterben leisten wollen“, sagte Bosbach dem Blatt. Er mahnte: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht in eine ethische Abwärtsspirale begeben.“
Taupitz hatte im Nachrichtenmagazin Spiegel gesagt, Menschen mit schweren körperlichen Leiden hätten gute Gründe, aus dem Leben zu scheiden. Ärzte seien für diese Aufgabe besonders gut qualifiziert. Sie wüssten, Medikamente richtig zu dosieren. „Nichts ist schlimmer als ein misslungener Suizid“, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrates.
Der Medizinrechtler hält aus juristischer Sicht bereits jetzt die ärztliche Suizidhilfe für möglich. Suizid und Beihilfe dazu seien nicht strafbar. Auch im Berufsrecht gebe es keine Regel, die Ärzten die Suizidhilfe verbiete. In den Standesregeln heiße es lediglich, dass Suizidhilfe unethisch sei. Darüber könne sich ein Arzt aber problemlos hinwegsetzen.
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