Wieso Ecstasy das posttraumatische Stresssyndrom lindern könnte
Montag, 9. März 2009
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| dpa |
Trondheim – Die enthemmende Wirkung von 3,4-Methylendioxy-N- methylamphetamin (NMDA) geht anderen Partygästen, die nicht unter der Wirkung dieser auch als Ecstasy bekannten Droge stehen, meistens ziemlich auf die Nerven. Psychotherapeuten dagegen schätzten die Vertrauen und soziale Kontakte fördernde Wirkung von NMDA, da sie möglicherweise die Behandlung des posttraumatischen Stresssyndroms erleichtert.
NMDA wird von Psychotherapeuten gerne mit einem lernpsychologischen Ansatz kombiniert, der als „extinction learning“ bezeichnet wird, berichten Pål-Ørjan Johansen und Teri Krebs von der Norwegischen Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität (NTNU) in Trondheim im Journal of Psychopharmacology (2009; doi:10.1177/0269881109102787).
Diese Therapie versucht, die Stressreaktionen zu mildern, indem sich die Patienten die psychisch belastenden Erinnerungen in einer emotional neutralen Umgebung vor Augen führen. NMDA könne hier helfen, weil es im Gehirn die Freisetzung von Oxytocin fördert, das auch als Hormon des Vertrauens bezeichnet wird.
Die Droge NMDA könne den Patienten auch helfen, die emotionale Trennung von Freunden und der Familie zu überwinden, die bei Patienten mit posttraumatischem Stresssyndrom häufig auftrete und den Therapiefortschritt gefährdet. Weiterhin mache es NMDA leichter, eine therapeutische Allianz mit dem Patienten aufzubauen. Die Droge scheine schließlich auch die selbst Symptome zu lindern, berichten die Autoren.
An der positiven Wirkung sei auch die Wirkung von NMDA auf zwei Hirnzentren beteiligt. Über die Corporae amygdala würden Angstreaktionen vermindert und über den präfrontalen Cortex die emotionale Kontrolle gefördert, berichten die beiden Psychologen. Schließlich könnten auch die Auswirkungen der unter NMDA gesteigerten Freisetzung von Noradrenalin und Kortisol therapeutisch genutzt werden. Denn diese Stresshormone fördern die Gedächtnisbildung und damit möglicherweise den Erfolg des „extinction learning“, also das positive Verarbeiten der Erlebnisse zu neuen neutralen Gedächtnisinhalten.
Die Medien haben in den vergangenen Jahren über die „heilsamen“ Wirkungen der Partydroge „Ecstasy“ berichtet. Dabei wird leicht übersehen, dass bisher keine Ergebnisse aus randomisierten Studien vorliegen. Johansen und Krebs teilen jetzt mit, dass erste vorläufige Ergebnisse aus zwei Studien vielversprechend seien. Solange die Ergebnisse aber nicht publiziert sind, dürfte die Therapie auch unter Psychotherapeuten als experimentell eingestuft werden. © rme/aerzteblatt.de
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