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Medizin

Genvariante auf Chromosom 8 verursacht Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Montag, 9. März 2009

Bonn – Fast die Hälfte aller Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, die nicht im Rahmen anderer Syndrome auftreten, scheint auf genetische Veränderungen auf dem Chromosom 8 zurückzuführen zu sein. Dies ergab eine in Nature Genetics (2009; doi: 10.1038/ng.333) publizierte genomweite Assoziationsstudie.

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Die Ursache der häufigen Spaltbildungen (Prävalenz 1:700) war bisher in den meisten Fällen nicht bekannt. Neben genetischen wurden auch Umwelteinflüsse vermutet. Das dürfte auch nach der Publikation der aktuellen Studien so bleiben, doch der genetische Einfluss scheint größer zu sein als bisher angenommen wurde.

Für die Studie hatte die Gruppe um Elisabeth Mangold von der Universität Bonn das Erbgut von 460 Personen mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten untersucht. Bei gut der Hälfte der Probanden gingen die Humangenetiker noch weiter ins Detail. Sie analysierten mehr als 500.000 SNP (Single Nucleotide Polymorphism), das sind Variationen einzelner Basenpaare im Genom. Sie stießen dabei auf dem langen Arm des Chromosoms 8 q24.21 auf eine Region, in der eine bestimmte SNP („rs987525“) bei Menschen mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sehr viel häufiger ist als bei gesunden Kontrollen.

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„rs987525“ erhöhte das Risiko auf eine Spaltbildung um das 2,5-fache, wenn es auf einem der beiden Chromosomen vorhanden war (Heterozygotie). Bei einer Homozygotie war das Risiko sogar 6-fach erhöht. Die Autoren schätzten, dass 41 Prozent aller Lippen-Kiefer-Gaumenspalten auf dieses genetische Merkmal zurückzuführen sind (population attributable risk: 0,41).

Die Funktion des Gens, auf dem sich das SNP „rs987525“ befindet, ist noch nicht bekannt. Mangold vermutet einen Transkriptionsfaktor, also ein übergeordnetes Gen, das die Wirkung anderer Gene steuert. Aus der Entschlüsselung des Gens dürften sich neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie der Spaltbildung im Gesichtsschädel ergeben. Neue therapeutische Ansätze sich eher unwahrscheinlich. Einen Gentest wird es nicht geben, da es sich um somatische Mutationen handelt, zu denen es während der Embryogenese kommt. © rme/aerzteblatt.de

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