Parkinson: Initialtherapie mit Dopaminagonisten auch nach sechs Jahren ohne Vorteile
Dienstag, 10. März 2009
Rochester/New York – Die initiale Behandlung mit dem Dopaminagonisten Pramipexol führte in einer Kohortenstudie in den Archives of Neurology (2009; doi: 10.1001/archneurol.2009.32) zwar langfristig seltener zum Auftreten von Dyskinesien als eine initiale L-Dopa-Therapie. Es kam jedoch häufiger zu Schlafstörungen und Ödemen. Die Lebensqualität war in beiden Gruppen gleich.
L-Dopa ist zu Beginn der Therapie das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Bewegungsstörungen beim idiopathischen Parkinson-Syndrom. Mit der Zeit kann die Wirkung jedoch nachlassen (wearing-off), und es treten zunehmend Nebenwirkungen auf, von denen die Dyskinesien die Patienten am meisten beeinträchtigen.
Deshalb wird seit langem nach L-Dopa-sparenden Alternativen gesucht. Hier bieten sich Dopaminagonisten an, die zwar weniger stark wirken als L-Dopa, was aber zu Beginn der Therapie, wenn die Symptome noch milde sind, keinen Unterschied macht. Vorteilhaft an den Dopaminagonisten ist zudem, dass es seltener zu Dyskinesien kommt, auch weil der Beginn der L-Dopa-Therapie unter Umständen um Jahre hinausgeschoben werden kann.
Dopaminagonisten haben jedoch andere Nebenwirkungen, zu denen bei Pramipexol, einem von zehn hierzulande zugelassenen Dopaminagonisten, Schlafstörungen gehören, die zu Beginn der Erkrankung für die Patienten störender sein können als Dyskinesien unter L-Dopa, die erst im Verlauf der Therapie auftreten und zunächst schwach ausgeprägt sind.
Welche Strategie besser ist, muss deshalb in Langzeitstudien untersucht werden, zu denen die „Comparison of the Agonist Pramipexole with Levodopa on Motor Complications“ oder CALM-Studie gehört. Es handelt sich um die Verlängerung einer randomisierten Studie der Pramipexol-Hersteller Pharmacia und Boehringer Ingelheim, an der sich an 22 Zentren in den USA und Kanada 301 Patienten beteiligten, bei denen die Therapie initial mit Pramipexol oder L-Dopa begonnen wurde. Seit dem Ende der Studie wird eine Gruppe von 222 Patienten von der Parkinson Study Group weiter betreut. Jetzt stellt die Gruppe um Kevin Biglan von der Universität Rochester Ergebnisse nach vier weiteren Jahren vor.
Sechs Jahre nach dem Beginn der Therapie benötigen neun von zehn Patienten in beiden Gruppen L-Dopa. Von den initial mit Pramipexol erhalten Patienten vier von fünf weiterhin einen Dopaminagonisten ein (die meisten davon Pramipexol), den sie in der Regel zusätzlich zu L-Dopa einnehmen. Unter den initial mit L-Dopa-behandelten Patienten nimmt nur jeder zweite zusätzlich Dopaminagonisten ein. In dieser Gruppe werden jedoch häufiger andere Wirkstoffe wie Selegilin und Amantadin zusätzlich zu L-Dopa verordnet.
Wie zu erwarten war, traten unter den Patienten mit initialer L-Dopa-Therapie häufiger motorischen Komplikationen auf wie ein „wearing off“, „on-off“-Effekte (sehr rascher Wechsel zwischen Wirkung und Wirkungsverlust) oder Dyskinesien. Die Prävalenz betrug 68,4 Prozent gegenüber 50,0 Prozent unter initial mit Pramipexol behandelten Patienten. Die Rate der schweren Dyskinesien war jedoch in beiden Gruppen gleich hoch.
Dies schließt nicht aus, dass sich im weiteren Verlauf der Therapie doch noch Nachteile der initialen L-Dopa-Therapie zeigen werden. Doch sechs Jahre nach Therapiebeginn war dies noch nicht der Fall. Zu diesem Zeitpunkt klagten aber mehr Patienten, die von Anfang an mit Pramipexol behandelt wurden, über Schlafstörungen (Epworth Sleepiness Scale score 11,3 vs. 8,6). Auch Ödeme waren häufiger (27,1 vs. 14,4 Prozent), auch wenn funktionell behindernde Ödeme insgesamt selten auftraten.
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