Suchen in

  • Archiv
  • News
  • Foren
  • Blogs
  • Preise
4.651 News Vermischtes

Vermischtes

Von der Leyen kritisiert Debatte um demenzkranken Walter Jens

Mittwoch, 11. März 2009

Anzeige

Hamburg – Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die öffentliche Debatte um den demenzkranken Literaturprofessor Walter Jens kritisiert. „Wenn wir öffentlich immer nur betonen, Demenz sei eine Katastrophe, dann ziehen wir nicht nur den Kranken, sondern auch den Angehörigen moralisch den Boden unter den Füßen weg“, schreibt die CDU-Politikerin in der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. 

Walter Jens' Sohn Tilman hatte in einem Buch über seinen Vater dessen Krankheit unter anderem als Folge seiner lange Zeit verschwiegenen NSDAP-Mitgliedschaft gedeutet. Von der Leyen warnte in diesem Zusammenhang vor einer einseitigen Sicht auf Demenz-Patienten und vor „feingeistigen Debatten über die Köpfe der Kranken und Angehörigen hinweg“. Die Krankheit sei sehr viel facettenreicher, als in der Öffentlichkeit beschrieben: „Neben der Trauer, neben der Angst sind vielfältige Glücksgefühle, Glücksmomente möglich. Glück kann auf einer anderen, einer neuen Ebene empfunden werden.“ 

Notwendig seien mehr Wissen über die Krankheit und bessere Strukturen, die im Alltag mit Demenzkranken helfen, fügte die Ministerin hinzu. „Wir brauchen ein tragfähiges ethisches Koordinatensystem, das die Menschenwürde Demenzkranker nicht infrage stellt.“ Von der Leyen ist Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU), der seit fünf Jahren an Demenz erkrankt ist. Nach Ausbruch der Krankheit war die CDU-Politikerin mit ihrem Mann und den sieben Kindern zu ihrem Vater gezogen. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Gudrun Krauße
am Freitag, 13. März 2009, 08:51

Demenz

Die Zahl der Demenzkranken in Europa steigt explosionsartig an. Die Menschen werden älter als ihre Seele es verkraftet. Leider können nur wenig Heime auf diese Situation adäquar reagieren, und Angehörige sind maßlos überfordert. Mitarbeiter in der Pflege lernen die körperliche Pflege kennen, das reicht bei weitem nicht aus. Wir würden vielleicht keinen Kopf mehr brauchen, aber anders ausgebildete Pfleger. Unsere Politiker müssten vielmehr über eine Ausbildung von Pflegekräften nach dem Böhmschen psychobiographischen Pflegemodell ausgebildet bzw. geschult werden. Darin würde für mnich die Wichtigkeit bestehen. Weiter müsste der MDK bei der Einstufung mit der Pflegestufe 0 besser geschult sein. Dies Menschen, so sagt es meine langjährige Erfahrung, sind darin gar nicht geschult und können diese Krankheit NICHT einschätzen. Ich versuche alles zu tun, damit das Leben der Menschen mit Demenz besser wird, aber leider legt die Politik und viele Steine in den Weg. M.f.G
advokatus diaboli
am Freitag, 13. März 2009, 06:54

Demenz und Autonomie!(?)

Unsere Ministerin mag mit ihrem Plädoyer eine Lanze für mehr Sensibilität im Umgang mit Demenzerkrankten gebrochen haben, wenngleich es darauf hinzuweisen gilt, dass das Schicksal von Walter Jens in die Öffentlichkeit hineingetragen wurde und somit das Einzelschicksal von allen Facetten her „beleuchtet“ wird. Da nimmt es nicht wunder, wenn es auch kritische Stimmen gibt – je nach dem, ob wir uns beispielhaft mit dem geäußerten „Willen“ eines Herrn Jens aus gesunden Tagen und den ethischen Dilemmata, vor denen die Familie nach den Schilderungen im Buch von dem Tilmann Jens gestanden haben mag, auseinanderzusetzen gedenken.

Auffällig dürfte insoweit sein, dass die Demenz als Krankheit in einem zunehmenden Maße „verklärt“ wird und hierbei nicht selten es mehr oder minder offen auf eine Instrumentalisierung des an einer Demenz Erkrankten hinaus läuft

Unterstellt – und hieran kann wohl kein ernstlicher Zweifel begründet werden – der Betroffene hat selbst für sich in gesunden Tagen die Feststellung getroffen, im Zustande höchster kognitiver Beeinträchtigung – fern ab der Möglichkeit einer mehr oder minder tiefgründigen Kommunikation – „so nicht mehr leben zu wollen“, fragt sich in letzter Konsequenz, wie wir mit diesem seinem (!) Willen umzugehen gedenken?

Für mich persönlich ist dies in einer Art und Weise geregelt, als dass „mein“ Lächeln im Falle einer späteren Demenzkrankheit nicht dahingehend (fehl)interpretiert werden darf, wonach gleichsam der Interpret in die Lage versetzt wird, sich mit einem Hinweis auf die nunmehr doch erreichte Lebensqualität und Lebensfreude paternalistisch über meinen Willen hinweg zu setzen. Derjenige, der sein Selbstbestimmungsrecht ausübt, sollte sich daher natürlich auch der „Last“ der hohen Verantwortung bewusst sein und für mich ist es daher keine Frage, dass ich es ausgeschlossen wissen möchte, dass „ich“ später nicht den Thesen mancher Ethiker und Palliativmediziner „ausgeliefert“ bin, wonach ich in gesunden Tagen angehalten bin, gleichsam für die in Folge einer späteren Demenzerkrankung entstehenden „neuen Person (?) Verantwortung und Sorge zu tragen, in dem ich bedenke möge, gerade für den Fall einer Demenzerkrankung keine Verfügung zu treffen.

Der „Fall“ Walter Jens – so erschütternd er auch sein mag – birgt also mehr Zündstoff in sich, denn – wie aus den Schilderungen des Sohnes ablesbar – sah sich die Familie durchaus in einem Dilemma. Nun steht es mir fern, hier wertend zu kommentieren, aber insgesamt sollten wir in der Debatte darauf achten, dass jeder Einzelne von uns durchaus dazu berechtigt ist, für sich den Zustand einer späteren demenziellen Erkrankung als nicht „lebenswert“ einzustufen. Eine hierauf gerichtete Patientenverfügung oder ggf. mündlich geäußerter Wille ist verbindlich und da stimmt es mehr als nachdenklich, dass etwa in der Berliner Ärzteordnung oder in einschlägigen Stellungnahmen gerontopsychiatrischer und gerontologischer Fachverbände gerade für den Fall der Demenz Sonderregelungen angedacht sind, die aus meiner Sicht unverhohlen darauf hinauslaufen, dass mein Wille schlicht und ergreifend uminterpretiert wird!
Freilich mag für den einen oder anderen das „Leben mit Demenz“ sinnstiftend, bereichernd und lebenswert sein – aber wir als Individuen werden wohl schwerlich hierauf im Sinne eines ethisch und moralisch strikten Befehls verpflichtet werden können.

M.f.G
NEASKEPTIKER
am Donnerstag, 12. März 2009, 21:43

Politiker und Demenz

Natürlich ist Demenz für Politiker nur eine Krankheit,
für betroffene Familien jedoch eine Katastrophe.

Frau von der Leyhen ist von der Idee besessen, dass Demenz keine Katastrophe sei. Demenz ist eine Katastrophe, sowohl für Betroffene, als auch für die Familie des Betroffenen.

Liegt es daran, dass sie und ihre Brüder sich die Pflege mit einer Pflegerin und 7 Kindern teilen? Bekommt sie durch die Wahrnehmung ihres Zeit raubenden Ministeramts die Katastrophe nicht mit? Oder lässt ein mögliches Anfangsstadium der Demenz bei ihrem Vater das Ausmaß der Katastrophe noch gar nicht erkennen?
Ist sie je in Familien geraten, die allein auf sich gestellt pflegen müssen, da Pflegehilfen nur sehr restriktiv gewährt werden?
Kennt sie die Erfahrungen mit Demenz jener Familien, in denen z.B. Sohn und Schwiegertochter des Dementen Berufspflichten hundertzwanzigprozentig erfüllen müssen, um den Arbeitsplatz nicht zugefährden?

Die wahre Katastrophe ist, dass Frau v. d. L. die Belastung der betroffenen Bürger außer Acht lässt.
  • Drucken
  • Kommentieren
  • Teilen
  • Versenden
  •  
    Merken

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste