Eingeloggt als

Suchen in

6.832 News Medizin

Medizin

Ovarialkarzinom: Britische Screening-Studie meldet erste Erfolge

Mittwoch, 11. März 2009

London – Zwischenergebnisse einer britischen Screening-Studie zeigen, dass eine Früherkennung des Ovarialkarzinoms mit einer Kombination aus CA125 und transvaginalen Ultraschallkontrollen möglich wäre. Allerdings müssten nach der Publikation in Lancet Oncology (2009; doi: 10.1016/S1470-2045(09)70026-9) drei Frauen operiert werden, um ein Karzinom zu entdecken, das sich dann zu etwa 50 Prozent in einem kurablen Stadium befände.

Das Ovarialkarzinom ist relativ selten. In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 9.000 Frauen, die durchschnittlich 65 Jahre alt sind. Noch seltener wird das Karzinom jedoch rechtzeitig entdeckt. Da der Tumor, lange asymptomatisch bleibt, sind 70 Prozent der Frauen bei der Diagnose in einem fortgeschrittenen Stadium, in dem die Überlebenschancen nur etwa 20 bis 30 Prozent betragen.

Viele Ovarialkarzinome setzen den Marker CA125 frei, der sich in früheren Studien jedoch als zu ungenau für eine Früherkennung erwiesen hatte. Das gilt auch für Ultraschalluntersuchungen, in denen die Veränderungen in den Ovarien in der Regel zu spät erkannt werden.

Ein neues Konzept – annual multimodal screening (MMS) – scheint die Aussichten auf ein effektives Screening zu verbessern. Das MMS besteht aus dem jährlichen CA125-Nachweis im Blut. Veränderungen führen zu einer Risikoabschätzung, die nach einem Algorithmus erfolgt und entweder weitere CA125-Kontrollen oder eine transvaginale Ultraschalluntersuchung nach sich zieht. Diese Strategie soll die Zahl der unnötigen Operationen gering halten.

Das MMS ist derzeit Gegenstand des United Kingdom Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS), an dem an 27 Zentren mehr als 200.000 postmenopausale Frauen (Alter 50 bis 74 Jahre) teilnehmen. Sie wurden im Verhältnis 2 zu 1 zu 1 auf  Gruppen aufgeteilt, in denen kein Screening, ein MMS oder eine jährliche transvaginale Ultraschalluntersuchung (ohne vorherige CA125-Bestimmung) durchgeführt wird. Die Studie läuft noch bis Ende 2012 und die Frauen werden danach noch bis Ende 2014 nachbeobachtet.

Nach den jetzt von Ian Jacobs und Usha Menon vom University College London vorgestellten Ergebnissen ist jedoch bereits ein günstiger Trend zu erkennen. Das MMS-Screening erkannte 34 von 38 in dieser Gruppe aufgetretenen Ovarialkarzinome (90 Prozent). Unter dem alleinigen transvaginalem Ultraschall waren es 24 von 32 Ovarialkarzinomen (75 Prozent).

Fast die Hälfte der Krebserkrankungen befanden sich in den Stadien I/II, 24 von 58 invasiven Tumoren befanden sich erst im Stadium I, davon 14 beim MMS und 10 beim Ultraschallscreening. Der Anteil von 48 Prozent von Diagnosen in den kurablen Stadium I liegt nach Auskunft der Autoren höher als in den meisten Statistiken, in denen er 28 Prozent betrage.

Der Preis für die Früherkennung liegt in einer hohen Zahl von Nachuntersuchungen (8,7 Prozent im MMS-Arm, 12 Prozent im Ultraschall-Arm), was die Teilnehmerinnen nicht nur psychisch belastet. Denn nicht selten kann die Diagnose erst während einer Operation gestellt werden. Die Zahl der falschpositiven Befunden war vor allem im Ultraschall-Arm hoch: Hier wurde nur in einer von durchschnittlich 35,2 Operationen ein Karzinom entdeckt, womit dieses Screeningverfahren wohl ausscheiden dürfte.

Aber auch in der MMS-Gruppe mussten im Durchschnitt 2,9 Operationen durchgeführt werden, um ein Karzinom zu erkennen. Die Autoren halten diesen Wert für vertretbar und haben bereits Folgeuntersuchungen zu den psychologischen Folgen des Screenings und den Kosten-Nutzen-Aspekten eingeleitet. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.832 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste