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Folsäure erhöht Prostatakarzinomrisiko

Donnerstag, 12. März 2009

Los Angeles – Die regelmäßige Einnahme von Folsäure scheint das Krebsrisiko zu erhöhen. Nachdem die frühere Analyse einer randomisierten Studie bereits eine erhöhte Rate von fortgeschrittenen Darmpolypen aufgedeckt hatte, deutet eine aktuelle Auswertung im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2009; doi: 10.1093/jnci/djp019) auf ein deutlich erhöhtes Prostatakrebsrisiko hin. 

Erneut widerlegt damit eine randomisierte Studie die Ergebnisse früherer Beobachtungsstudien zur Einnahme von Vitaminen. Auch für Betacaroten hatte es eine Reihe von Hinweisen gegeben, wonach Patienten mit Lungenkrebs einen Mangel an diesem Vitamin haben. Doch in zwei Interventionsstudien, dem Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention Study (ATBC-Studie) und dem Beta-Carotene Retinol Efficacy Trial (CARET) führte die hoch dosierte Therapie zu einem Anstieg der Krebsrate. 

Ähnlich scheint es bei der Folsäure zu verhalten. Auch hier hatten Laborexperimente und epidemiologische Daten vermuten lassen, dass Folsäure antineoplastische Eigenschaften hat. Daraufhin wurde in der Aspirin/Folate Polyp Prevention Study (AFPP) untersucht, ob die Therapie mit 1 mg Folsäure pro Tag das Auftreten von Polypen, einer Vorstufe des Kolorektalkarzinoms, verhindern kann. Dies war nicht der Fall. Die Zahl der fortgeschrittenen Adenome war am Ende im Folsäure-Arm der Studie tendenziell erhöht. Die Zahl der Teilnehmer mit mehr als drei Adenomen war sogar mehr als verdoppelt (JAMA 2007; 297: 2351-2359).

Bereits in der damaligen Publikation vermerkten die Autoren, dass die Einnahme von Folsäure mit einem erhöhten Risiko von Prostatakarzinomen einherging. Die jetzt von Jane Figueiredo von der Universität in Los Angeles vorgelegten Ergebnisse dokumentieren sogar ein fast dreifach erhöhtes Risiko.

Im Folsäure-Arm der Studie erkrankten nach 10 Jahren 9,7 Prozent der männlichen Teilnehmer an einem Prostatakarzinom, während es im Placebo-Arm nur 3,3 Prozent waren. In der altersbereinigten Analyse reduziert sich die Hazard Ratio zwar auf 2,63 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,23-5,65). Dennoch dürfte künftig von der Einnahme von Folsäure zur Krebsprävention abgeraten werden – jedenfalls in der Dosis von 1 mg/die oder darüber. 

Ob geringere Mengen eine günstigere Wirkung haben, ist nicht ganz ausgeschlossen, denn die Studie zeigt erneut, dass die Männer, die später am Prostatakrebs erkrankten, sich vitaminarm ernährten und zu Beginn der Studie die niedrigere Folatkonzentrationen im Blut hatten. Nach den bisherigen Erfahrungen lässt sich aus dieser Beobachtung jedoch keine Empfehlung für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel ableiten. © rme/aerzeblatt.de

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