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Umdenken bei HIV-Impfstoffen: Viele verschiedene Antikörper sind des Virus Tod

Dienstag, 17. März 2009

New York City – Einzelne Antikörper können bei HIV-Infizierten die Virusreplikation nicht lange unterdrücken. Doch durch den gleichzeitigen Angriff mehrerer Antikörper auf verschiedene Epitope gelingt es einigen Patienten, die Viruslast lange Zeit deutlich zu senken, wie ein Team aus US-amerikanischen und deutschen Forschern in Nature (2009; doi: 10.1038/nature07930) berichtet. Sie könnte einen vielversprechenden neuen Therapieansatz entdeckt haben.

Seit Langem ist bekannt, dass die HIV-Infektion bei einigen Patienten ungewöhnlich langsam voranschreitet. Bisher dachten die Forscher, dass diese „elite-controller” über sogenannte Superantikörper verfügen, die an einem „konservierten” Bestandteil des HI-Virus binden, der nicht der ansonsten ausgeprägten genetischen Modifikation des Immunschwächevirus unterliegt, die bisher die Entwicklung eines erfolgreichen Impfstoffes verhindert hat. Doch solche Superantikörper wurden niemals gefunden.

Die Gruppe um Michel Nussenzweig von der Rockefeller-Universität in New York City entschied sich deshalb, das Immunsystem von sechs „elite-controllern” systematisch zu untersuchen. Mit einem von dem aus Deutschland stammenden Nachwuchsforscher Johannes Scheid entwickelten Verfahren isolierten sie aus dem Blut der sechs Patienten jene Gedächtnis-B-Zellen, die den Nachschub an Antikörpern gegen HIV sicherstellen.

Dabei wurde nicht ein einzelner Antikörper gefunden, der gegen ein genetisch konserviertes Merkmal auf dem Oberflächenprotein gp140 bindet, sondern gleich Dutzende. Das Immunsystem der „elite-controller” bildet bis zu 50 verschiedene Antikörper und erreicht auf diese Weise, dass die Viruslast auch ohne Medikamente auf unter 50/ml Blut sinkt (während es bei Infizierten normalerweise mehr als eine Millionen Viren pro Milliliter sind).

Die Forscher stellten fest, dass die einzelnen Antikörper nicht in der Lage sind, das HI-Virus zu neutralisieren. Erst durch den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Antikörper gelingt es ihnen, das Virus in Schach zu halten. Die weitere Analyse ergab, dass die Antikörper an unterschiedlichen Epitopen der Virushülle binden, so am variablen Anteil von gp120 (einem Bestandteil von gp140), an der Bindungsstelle für die CD4-Zellen, an einer Ko-Rezeptor-Bindingsstelle und an einem bisher nicht bekannten Epitop.

Die Studie könnte zu einem grundlegenden Umdenken bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen HIV führen. Bisher setzten die Forscher darauf, die Produktion eines einzelnen Superantikörper anzuregen, mit den bekannten unbefriedigenden Ergebnissen. Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass eine breitere Stimulierung des Immunsystems eher zum Ziel führen könnte. Ob diese Erkenntnis in einen neuen Impfstoff umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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