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Pediculosis capitis: Visuelle Inspektion übersieht die meisten Läuse

Dienstag, 17. März 2009

dpa

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Braunschweig – Bei der üblichen Kontrolluntersuchung der Pediculosis capitis, der visuellen Inspektion der Prädilektionsstellen, werden leicht lebende Läuse übersehen. Zuverlässiger war in einer Vergleichsstudie in den Archives of Dermatology (2009; 145: 309-313) das Durchkämmen der angefeuchteten Haare mit Läusekämmen, wobei allerdings Eier und Nissen übersehen werden können.

Kopfläuse sind auch in Deutschland häufiger, als die meisten Menschen vermuten. Eine im Sommer 2007 von Dr. Claudia Jahnke vom Gesundheitsamt Braunschweig im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung durchgeführte Studie ergab eine Prävalenz von 0,7 Prozent. Nur eine der 14 betroffenen Mütter wusste, dass ihr Kind Kopfläuse hatte (Das Gesundheitswesen 2008; 70: 667-673). Die Autorin schätzte damals, dass die Prävalenz 2 bis 3 Prozent beträgt, da bei der Schuleingangsuntersuchung nur eine visuelle Inspektion durchgeführt wurde. Dabei wird an 5 Prädilektionsstellen (beide Schläfen, Bereich hinten beiden Ohren und im Nacken) nach Nissen, Eiern oder lebenden Läusen gesucht.

Wesentlich genauer ist eine gründliche Untersuchung der gesamten Kopfhaut mit Läusekämmen, wie in der aktuellen Untersuchung, die ebenfalls 2007 an fünf Grundschulen mit einer aktiven Epidemie durchgeführt wurde. Auch hier wurde zunächst eine visuelle Inspektion vorgenommen: In 6 Fällen wurden lebende Läuse entdeckt. Weitere 15 Fälle wurden jedoch übersehen und erst in der anschließenden Untersuchung mit Läusekämmen diagnostiziert. Für diese Untersuchung wurden die Haare aller Kinder zunächst mit einem Haarconditioner angefeuchtet und dann der gesamte Haarschopf systematisch einmal von den Wurzeln bis zur Spitze mit speziellen Läusekämmen durchsucht.

Nach jedem Durchstreichen der Haare wurde der Kamm in einem Papiertuch abgestrichen, auf dem dann nach Nissen oder Läusen gesucht wurde. Die Diagnose erfolgte notfalls unter einem Mikroskop. Trotzdem wurde zweimal ein Befall mit lebenden Läusen übersehen. Das feuchte Kämmen der Haare war der visuellen Inspektion dennoch klar überlegen: Sensitivität 90,5 vs. 28,6 Prozent. Die visuelle Inspektion, so die Autorin, unterschätzt die Prävalenz einer aktiven Infestation um den Faktor 3,5.

Interessanterweise werden bei dem Kämmen gelegentlich Nissen oder Eier übersehen: Sensitivität 68,4 vs. 86,1 Prozent nach visueller Inspektion. Jahnke misst diesem Befund allerdings keine allzu große Bedeutung bei. Ihrer Ansicht nach ist der Nachweis von Eiern und Nissen kein Beweis für eine aktive Infestation, da zum einen die Differenzierung von Nissen mit oder ohne lebenden Embryonen selbst geübten Untersuchern schwer falle.

Außerdem sei es  nicht sicher, ob tatsächlich Läuse aus bewohnten Nissen schlüpfen, und schließlich falle es Laien und auch ungeübten Ärzten nicht leicht, Nissen von anderen Artefakten zu unterscheiden. Das Ziel ist deshalb das Erkennen lebender Läuse, was am besten mit dem Läusekamm gelingt. © rme/aerzteblatt.de

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