Vermischtes

Flächendeckende Palliativmedizin erst in vier Jahren

Donnerstag, 19. März 2009

München – In Deutschland wird Patienten erst in den kommenden zwei bis vier Jahren flächendeckend Palliativmedizin angeboten werden können. Darauf hat Gian Domenico Borasio, Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin in München, am Mittwochabend in München hingewiesen. Außerdem kritisierte er, dass sich die Krankenkassen nach wie vor weigerten, den seit 2007 gesetzlichen Anspruch von Patienten auf Palliativmedizin umzusetzen. Borasio äußerte sich bei einer Veranstaltung der Katholischen Akademie in Bayern.

Der Professor mahnte mehr Fachwissen der Ärzte über die Palliativmedizin an. Untersuchungen zufolge seien viele Mediziner unsicher, welche Maßnahmen der Schmerzlinderung unter aktive oder passive Sterbehilfe fielen. Es fehle an Rechtssicherheit. Da die Rechtsprechung keine eindeutige Linie erkennen lasse, müsse ein gutes Gesetz her. Vor allem aber sei Dialogbereitschaft gefragt. Um zu wissen, was Menschen sich am Ende ihres Lebens wünschten, gelte es in der Familie, mit Angehörigen und auch mit dem Hausarzt darüber zu reden. 

Der frühere Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, Klaus Kutzer, sprach sich ebenfalls für klare juristische Vorgaben aus. Nur dann könnten Ärzte ohne Angst entscheiden. Der Jurist bezweifelte aber, ob der Bundestag noch in dieser Legislaturperiode ein Gesetz zur Patientenverfügung beschließen werde. Davon unberührt sei die Geltung des grundgesetzlich geschützten Selbstbestimmungsrechts, betonte Kutzer. Dieses werde nur beschränkt, wenn der Patient etwas verlange, das gegen die Rechte anderer oder das Gesetz verstoße. 

Der Münchner katholische Moraltheologe Konrad Hilpert erinnerte daran, dass der Mensch nicht nur ein sich selbst bestimmendes Individuum sei, sondern immer auch ein Beziehungswesen. Es stehe deshalb den Kirchen aus ihrem Selbstverständnis gut an, für eine Kultur der Solidarität mit den Sterbenden einzutreten.

Hilpert nannte die Patientenverfügung ein wichtiges Instrument, aber auch eine Regulierung könne nicht alle Fragen um das Sterben lösen. Trotz der Möglichkeiten der modernen Medizin bleibe das Sterben immer auch etwas Persönliches und sei nicht planbar. Vertrauen, Geborgenheit und Zuwendung seien wesentlich für das Wohlergehen eines Sterbenden und seiner Angehörigen. Es dürfe aber auch nicht ausgeblendet werden, dass für viele Menschen die Beachtung ihres Willens ein wichtiger Teil dieses Wohlergehens sei. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

adonis
am Freitag, 20. März 2009, 14:22

Die Diskussion um eine funktionierende Palliativmedizin

ist sicher 1000 mal hilfreicher als die Diskussion um aktive Sterbehilfe in Deutschland.
Vielleicht wäre es sinnvoll, wie in Schweden Leitlinien zur Behandlung von verschiedenen Zuständen, Krankheiten und Symptomen zu publizieren, die jedem Arzt via internet zugänglich sind. Oft hängt es ja an Kleinigkeiten, wie Verstopfung, Urinretention usw, die aber erhebliche Verbesserungen für die Patienten darstellen.
5.000 News Vermischtes

Nachrichten zum Thema

09.12.16
Schwerin – Hospize und Palliativstationen für Schwerstkranke und Sterbende gibt es nach Ansicht von Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) in Mecklenburg-Vorpommern ausreichend. Der Bedarf wachse......
28.11.16
Palliativmedizin: Sterbewünsche im Alter richtig deuten
Berlin – Was meinen schwerkranke Menschen, wenn sie sagen, dass sie sterben wollen? Mit dieser Frage haben sich Schweizer Ärzte und Ethiker in einer zehnjährigen Studie auseinandergesetzt. Noch......
02.11.16
Osnabrück – In der Hospiz- und Palliativversorgung mangelt es nach wie vor an einem einheitlichen Qualitätssystem, das die Anforderungen an Hospiz-Einrichtungen für alle verbindlich regelt. Das hat......
28.10.16
Katholische Krankenhäuser wollen Begleitung Sterbender stärken
Münster – Die rund 400 katholischen Kliniken in Deutschland verpflichten sich zu einer hochwertigen und würdevollen Begleitung Sterbenskranker durch Palliativmedizin und hospizliche Begleitung. Auch......
27.10.16
Regensburg – Elf in die Palliativmedizin involvierte Ärzte und Pflegekräfte des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) haben einen Förderverein Palliativmedizin gegründet. Ziel ist die Unterstützung......
19.10.16
Sterbebegleitung: Wunsch ist selten Wirklichkeit
Berlin – Die meisten Menschen in Deutschland wollen in ihrer gewohnten Umgebung sterben. Doch nach Daten aus dem Pflegereport 2016 der DAK Gesundheit ist dieser Wunsch selten umsetzbar: Zwei von drei......
17.10.16
Nationale Charta: Verbände geben Hinweise für bessere Versorgung Sterbenskranker
Berlin – Sterbenskranke Menschen in Deutschland brauchen nach Einschätzung von Medizinern und Pflegeexperten eine bessere Versorgung. Sie stellten heute in Berlin Handlungsempfehlungen für eine......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige