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Zytomegalie: Impfstoff verhindert konnatale Infektionen

Donnerstag, 19. März 2009

Birmingham – Ein experimenteller Impfstoff gegen das Zytomegalievirus (CMV) hat in einer Pilotstudie im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 360: 1191-1199) Frauen im gebärfähigen Alter vor Neuinfektionen geschützt und die Zahl der konnatalen Zytomegalieerkrankungen gesenkt.

Während die Zytomegalie normalerweise asymptomatisch bleibt oder wenigstens nicht als spezifische Infektion erkannt wird, kann eine Neu-Infektion während der Schwangerschaft dem Fetus schwere Schäden zufügen.

Zur Klinik der konnatalen CMV-Infektion gehören Petechien infolge einer Thrombozytopenie, Hepatosplenomegalie und Ikterus, eine intrauterine Wachstumsretardierung, Mikrozephalie, seltener auch Sehstörungen infolge Retinitis/Optikusatrophie und Krämpfe sowie eine spätere geistige Behinderung. Die konnatale CMV-Infektion ist ein allgemein unterschätztes Gesundheitsrisiko und mittlerweile die häufigste schwere Virusinfektionen in der Schwangerschaft. 

Das Deutsche Grüne Kreuz schätzt die Zahl der intrauterinen Infektionen für Deutschland auf 1.500 pro Jahr, von denen 500 bleibende Schäden hinterlassen. Das Risiko steigt mit dem Wohlstand, dem hygienischen Standard, aber auch mit dem Verzicht auf das Stillen. In Entwicklungsländer werden viele Menschen bereits mit der Muttermilch infiziert und die Durchseuchung der Bevölkerung ist annähernd vollständig.

In Deutschland dagegen soll vor allem in höheren sozioökonomischen Schichten jede zweite Frau im gebärfähigen Alter seronegativ sein. Erkrankt sie während der Schwangerschaft, kann sie das Virus auf ihr Kind übertragen. Eine evidenzbasierte Therapie existiert weder für die Schwangere noch für das Kind, stellten jüngst Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts fest.

Diese Umstände haben das Interesse an einem wirksamen Impfstoff belebt. Das US-Institute of Medicine zählte ihn 2001 zu den Topprioritäten für die Forschung, wie Robert Pass von der Universität von Alabama in Birmingham schreibt. Der Forscher hat einen Impfstoff der Firma Sanofi Pasteur in einer Phase-II-Studie untersucht. Der Impfstoff besteht aus einem einzelnen CMV-Protein (Glykoprotein B), das durch das Adjuvant MF59 der Firma Novartis verstärkt wurde. An der Studie beteiligten sich 464 seronegative Frauen, die entweder mit der Vakzine (wenigstens eine von drei Dosierungen) oder mit einem Placebo geimpft wurden.

In der Nachbeobachtungszeit von mindestens einem Jahr kam es zu 49 bestätigten Infektionen, davon entfielen 18 auf die Gruppe mit echter und 31 auf die Gruppe mit scheinbarer Impfung. Das entspricht (auf der Basis der Infektionsraten pro 100 Personenjahre) einer Effektivität von 50 Prozent.

Auch wenn der Impfstoff damit noch weit davon entfernt ist, einen sicheren Schutz zu bieten, so kam es doch in der kleinen Gruppe bereits zu einem Rückgang der konnatalen Infektionen von drei Fällen im Placebo-Arm (darunter ein Kind mit zentralnervösen Schäden) auf einen Fall im Verum-Arm.

Die Verträglichkeit der Impfung war im allgemein gut, auch wenn es in einigen Fällen zu systemischen Reaktionen und einmal auch zu einem schweren Zwischenfall mit vorübergehender Muskelschwäche kam. Auch nach Ansicht der Editorialistinnen Cornelia Dekker und Ann Arvin von der Stanford Universität rechtfertigen die Ergebnisse die Fortsetzung der klinischen Forschung (NEJM 2009; 360: 1250-52).

Idealerweise sollte der medizinische Impfstoff in einer größeren Phase-III-Studie zeigen, dass er ebenso verträglich und effektiv ist wie die natürliche Impfung durch die in aller Regel ja inapparente CMV-Infektion. © rme/aerzteblatt.de

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