Freitag, 20. März 2009
EU-Einfluss auf Gesundheitspolitik wird unterschätzt
Brüssel – Die europäische Gesundheitspolitik hat mannigfaltige Auswirkungen auf die Arbeit von Ärzten, Apothekern und anderen im Gesundheitswesen Tätigen. Die Folgen der politischen Einflüsse der EU auf die nationale Ebene würden mitunter aber unterschätzt. So lautete das Fazit einer Fachveranstaltung in Menden im Sauerland, zu der der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese Fachleute aus dem deutschen Gesundheitswesen eingeladen hatte. Dennoch, das machte der Vorsitzende des Ethikrates der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Eugen Engels, deutlich, kann Deutschland hinsichtlich des Umgangs mit Organspenden noch einiges von anderen Ländern lernen. Anders als der Deutsche Ärztetag und das Bundesgesundheitsministerium spricht sich die ÄKWL beispielsweise dafür aus, öffentlich über eine Widerspruchslösung zu diskutieren, wie sie etwa in Spanien oder Österreich praktiziert werde. Der Präsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Hans-Günter Friese, warf der Europäischen Kommission hingegen „überbordende Liberalisierungsbestrebungen“ im Gesundheitswesen vor. „Die EU-Kommission befindet sich im Hamsterrad des Wettbewerbs, um mit der Globalisierung mithalten zu können“, so Friese. Als absolut inakzeptabel bezeichnete er den von Industriekommissar Günter Verheugen vorgelegten Richtlinienvorschlag zur Information der Öffentlichkeit über verschreibungspflichtige Arzneimittel durch die Industrie. „Die Richtlinie läutet eine desolate Entwicklung ein, die zu einer Trivialisierung von Arzneimitteln unter Ausschaltung der fachlichen Kompetenz der Heilberufe führt“, so Friese. Für den Wettbewerb mit Leistungserbringern aus anderen EU-Ländern sieht der Landesgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse in Siegen die deutschen Ärzte und Zahnärzte gleichwohl gut gerüstet. „Die Versorgung in Deutschland ist gut, sonst würden sich mehr Patienten im Ausland behandeln lassen“, so Kuss. So habe die Barmer im Jahr 2007 lediglich 40 Millionen Euro bei einem Gesamtvolumen an GKV-Leistungen von 166 Milliarden Euro für Auslandsbehandlungen aller Art aufbringen müssen.© ps/aerzteblatt.de Um Nachrichten kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden. |
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