Medizin

Ulcus cruris: Entzauberung der Madentherapie

Freitag, 20. März 2009

York – Die Applikation von Fliegenlarven fördert bei einem Ulcus cruris zwar das Débridement, die Wundheilung war in einer randomisierten Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 338: b773) jedoch nicht schneller als unter einer konventionellen Wundauflage aus Hydrogel. Die Patienten klagten außerdem häufiger über Schmerzen.

Die gefräßigen Larven von Lucilia sericata ernähren sich fast ausschließlich von nekrotischem Gewebe und können selbst ausgedehnte Wundbeläge innerhalb kurzer Zeit verzehren, ohne dabei das darunter liegende durchblutete Gewebe zu schädigen. Dem Speichel der Maden werden außerdem antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben, die auch vor Infektionen mit multiresistenten Keimen schützen sollen.

Kurz, der Madentherapie werden wundersame Wirkungen zugeschrieben, obwohl die medizinische Evidenz bisher schwach war. Die erste größere randomisierte Studie mit der anmutigen Bezeichnung VenUS II dürfte die Euphorie zur Madentherapie etwas dämpfen. 

Teilnehmer waren 267 Patienten mit einem venösen oder gemischt venös-arteriell bedingten Ulcus cruris, das zumindest zu einem Viertel mit nekrotischem Gewebe belegt war. Sie wurden nach dem Los auf drei Gruppen aufgeteilt. In der ersten Gruppe wurden die Larven frei auf die Wundoberfläche aufgebracht, in der zweiten Gruppe waren sie in ein Gazenetz verpackt, in der dritten Gruppe erfolgte die Wundbehandlung ohne Larven, aber mit einem Hydrogel. Primärer Endpunkt war die Dauer bis zur Abheilung des größten Ulcus. 

Wie Jo Dumville von der Universität York und Mitarbeiter berichten, war das Ulcus unter der Madentherapie nach median 236 Tagen verheilt, gegenüber 245 Tagen unter der Wundbehandlung mit dem Hydrogel. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant und sicherlich auch klinisch nicht relevant.

Dabei hatten die Maden die nekrotischen Beläge in der Tat schneller beseitigt: Die freien Larven hatten die Arbeit nach 14 Tagen, die verpackten nach 28 Tagen erledigt, während unter der Hydrogelwundauflage 72 Tage vergingen, bis die Wunde frei von abgestorbenen Geweberesten war. Die Unterschiede waren signifikant, aber für die abschließende Wundheilung offenbar nicht von Bedeutung. 

Es gab auch keine Unterschiede in der Lebensqualität oder in der bakteriellen Besiedlung der Wunden, einschließlich der multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), die allerdings zu selten waren, um Unterschiede signifikant belegen zu können.

Ein möglicher Nachteil der Larven waren etwas stärkere Schmerzen in den ersten 24 Stunden vor dem ersten Verbandswechsel. In einer zusätzlichen Studie haben die Forscher die Wirtschaftlichkeit der Madentherapie vor dem Hintergrund des britischen National Health Service untersucht. Sie kommen auf Mehrkosten der Madentherapie von etwa 100 Pfund pro Jahr, die aber nicht wirklich ins Gewicht fallen. Die Autoren empfehlen, es den Patienten zu überlassen, welche Form der Therapie sie bevorzugen. © rme/aerzteblatt.de

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