Welttuberkulosetag: Neuerkrankungen weltweit rückläufig – MDR-TB in Osteuropa verbreitet
Mittwoch, 25. März 2009
Genf/Stockholm/Berlin – Die Zahl der Neuinfektionen an Tuberkulose ist im Jahr 2007 weltweit stabil geblieben. In Europa wie auch in Deutschland ist sie weiter rückläufig. Dies zeigen die Dokumente, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und das Robert-Koch-Institut anlässlich des Welttuberkulosetags veröffentlicht haben. Sorgen bereitet die in Entwicklungsländern hohe Zahl von Co-Infektionen mit HIV und die derzeitige Weltfinanzkrise.
Die drei Organisationen stellen die Zahlen für das Jahr 2007 vor, die eigentlich eine positive Entwicklung widerspiegeln. Laut WHO hat sich die Gesamtzahl der Tuberkulosefälle stabilisiert. Bezogen auf die Gesamtbevölkerungszahl ist der Anteil der Menschen, die neu an einer Tuberkulose erkrankten, sogar seit 2004 rückläufig.
Sorgen bereitet der WHIO vor allem die häufige Co-Infektion von HIV und Tuberkulose. Jeder vierte Todesfall betrifft mittlerweile HIV-Infizierte. In dieser Gruppe gab es 2007 schätzungsweise 1,37 Millionen Neuerkrankungen und 456.000 Todesfälle. Dass die Problematik der Co-Infektion erkannt wurde, zeigt sich an dem Anstieg der HIV-Tests bei Tuberkulose-Patienten von 3 Prozent in 2004 auf 75 Prozent in 2007. Die Zahl der Patienten mit TB/HIV-Co-Infektion, die eine angemessene Therapie erhalten, ist nach Einschätzung der WHO zwar gestiegen, die meisten Betroffenen bleiben aber ohne Hoffnung auf Medikamente.
Zu den größten Herausforderungen zählt die WHO die Ausbreitung der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB). Die WHO schätzt die Zahl der Erkrankten auf 500.000, von denen weniger als ein Prozent eine angemessene Behandlung erhalten. Da die Medikamente teuer sind, könnte diese Gruppe unter der gegenwärtigen Finanzkrise am meisten zu leiden haben.
Die WHO nennt 27 Länder, in denen die MDR-TB verbreitet ist. Von diesen gehören 15 Länder zur WHO-Region Europa, wie die ECDC in ihrer Pressemitteilung hervorhebt. Von den 477.327 Neuerkrankungen in Europa aus 2007 entfielen denn auch 43.600 auf die MDR-TB.
Überwiegend werden sie aus Osteuropa gemeldet. Ein krasser Gegensatz besteht zwischen nieder-prävalenten Ländern wie Island, wo auf 100.000 Einwohner 2007 5 Neuerkrankungen kamen, während die Inzidenz in Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien und Rumänien mehr als 100/100.000 beträgt. In Deutschland waren es 6,1/100.000 (Vorjahr: 6,5), womit sich ein jahrelanger Rückgang fortgesetzt hat. Auch der ohnehin geringe Anteil der multiresistenten Stämme ist in Deutschland von 2,2 auf 2,0 Prozent zurückgegangen.
Die Nähe zu den Staaten der ehemaligen Sowjetunion bereitet den hiesigen Behörden Kopfzerbrechen. Sie hat aber auch eine Reihe von Hilfsaktionen ausgelöst. Das Robert-Koch-Institut hebt in der Pressemitteilung ein Stipendienprogramm für osteuropäische und asiatische Gastärzte hervor, das das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose initiiert hat.
Osteuropa ist auch der Schwerpunkt des Koch-Metschnikow-Forums, einer deutsch-russischen Initiative des Petersburger Dialoges, die Kooperationsprojekte auf dem Gebiet der Bekämpfung der Infektionskrankheiten koordiniert und gestaltet. Und das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel führt als supranationales Referenzzentrum der WHO Qualitätskontrollen zur Tuberkulosediagnostik in mehr als einem Dutzend Staaten durch, hilft beim Aufbau von Tuberkulose-Programmen und -Laboratorien, vorwiegend in den GUS-Ländern, und bietet Trainingskurse an.
Da die Tuberkulose selten geworden ist, kann sie leicht übersehen werden. Nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts manifestiert sie sich in Deutschland bei etwa 80 Prozent der Erkrankten als Lungentuberkulose, sie kann aber jedes Organ befallen. Dementsprechend vielgestaltig präsentiert sich diese Erkrankung. Die initiale Symptomatik ist meist uncharakteristisch.
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