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Politik

Heroinsubstitution bleibt umstritten

Dienstag, 24. März 2009

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Berlin – Eine Sachverständigenanhörung des Gesundheitsausschusses am 23. März zeigte erneut deutlich, wie unterschiedlich die Ansichten zur Suchtpolitik innerhalb der großen Koalition sind. Schwerstdrogenabhängige sollen künftig mit künstlichem Heroin (Diamorphin) auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) behandelt werden.

Das wollen zumindest der Bundesrat sowie Abgeordnete der SPD, der FDP, der Linken und von Bündnis 90/Die Grünen. Mit ihren fast gleichlautenden Entwürfen zu einem „Gesetz über die diamorphingestützte Substitutionsbehandlung“ stoßen sie jedoch auf „erhebliche Bedenken“ von Seiten der Union. Für eine Übernahme der Diamorphin-Behandlung in die GKV-Regelversorgung reiche derzeit der Kenntnisstand nicht aus, monieren Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion in einem eigenem Antrag und fordern, das mittlerweile abgeschlossene Modellprojekt zur kontrollierten Heroinabgabe an Schwerstabhängige fortzuführen.

Das wissenschaftlich begleitete Bundesmodellprojekt  zeigte für eine eng begrenzte Gruppe von Drogenabhängigen eine signifikante Verbesserung der gesundheitlichen Situation als auch eine Verringerung des illegalen Beikonsums.

Bei der Sachverständigenanhörung bestätigten dies die Vertreter der Modellstädte. Sie berichteten von durchweg guten Erfahrungen: Viele Schwerstabhängige konnten stabilisiert und entkriminalisiert werden, einige erreichten sogar die Abstinenz. Ebenso wie die Städte befürworten auch die Bundesärztekammer sowie die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft eine strenge Vergabe von Diamorphin an einen begrenzten Kreis schwerstkranker Opiatabhängiger. Die mit dem Modellprojekt verbundene Studie weise nach, dass die Diamorphin-Behandlung für eine bestimmte Patientengruppe alternativlos sei, sagte Christoph von Ascheraden bei der Anhörung.

Kritik äußerte die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Die angelegten Kriterien (die Betroffenen müssen mindestens 23 Jahre alt und seit fünf oder mehr Jahren abhängig sein und zudem bereits zwei erfolglose Therapien absolviert haben) seien „prototypisch für Heroinabhängige“ und deshalb ungeeignet, um Schwerstabhängige abzugrenzen, sagte Paul Rheinberger.

Ähnliche Einwände führte der GKV-Spitzenverband an. Nach seinen Schätzungen erfüllen etwa 70.000 Abhängige die Kriterien der Heroinvergabe. Damit würden sich die Kosten der Diamorphin-Therapie auf 0,7 bis 1 Milliarde Euro summieren, rechnete Axel Meeßen vor. Eine Methadon-Behandlung im gleichen Umfang koste dagegen etwa nur ein Drittel. © ER/aerzteblatt.de

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