Medizin

Studie: Fleischesser sterben früher

Mittwoch, 25. März 2009

Rockville/Maryland – Kürzlich waren britische Epidemiologen zu dem Ergebnis gekommen, dass Vegetarier häufiger an Darmkrebs erkranken. Jetzt rücken US-Forscher in den Archives of Internal Medicine (2009; 169: 562-571) das Bild wieder zurecht. Danach haben Menschen, die viel rotes Fleisch (Rind oder Schwein) verzehren, ein erhöhtes Sterberisiko.

Auch die Publikation im American Journal of Clinical Nutrition (2009. doi:10.3945/ajcn.2009.26736M), die auf britischen Daten zur European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) beruht, hatte ergeben, dass Vegetarier tendenziell seltener an Krebs erkranken. Die Reduktion war jedoch mit 11 Prozent eher gering ausgefallen und statistisch nicht signifikant – im Gegensatz zu der um 39 Prozent erhöhten Darmkrebsrate.

Die US-Studie, wie EPIC eine prospektive Beobachtungsstudie, war ungleich größer. Mehr als eine halbe Millionen US-Amerikaner im Alter von 50 bis 71 Jahren sandten die Fragebögen zurück, die das US-National Cancer Institute 1995 an 3,5 Millionen Haushalte verschickt hatte.

In einem Fragebogen erkundigten sich die Forscher detailliert (124 Fragen) nach den Ernährungsgewohnheiten. Daraus konnte die Gruppe um Rashmi Sinha vom US-National Cancer Institute in Rockville/Maryland, den tägliche Fleischkonsum berechnen und mit den Einträgen in den Sterberegistern in Beziehung setzen.

In der Kohorte der “National Institutes of Health-AARP Diet and Health Study”, so die vollständige Bezeichnung der Studie, gab es in den folgenden zehn Jahren 71.252 nachgewiesene Todesfälle (mehr als der Oxford-Arm der EPIC-Studie Teilnehmer hatte) und die Wahrscheinlichkeit eines Todes korrelierte mit den Ernährungsgewohnheiten und hier vor allem mit dem Konsum an rotem Fleisch.

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Besonders deutlich war dies bei den Männern: Im Fünftel mit dem höchsten Verzehr kam es zu doppelt so vielen Todesfällen wie im Fünftel mit den niedrigsten Verzehr (13.319 vs. 6235 Todesfälle). Wurden allerdings, wie in epidemiologischen Studien üblich, einige persönliche Kennzeichen berücksichtigt, die das Sterberisiko beeinflussen (Alter, ethnische Herkunft und gesamte Energiezufuhr), verringerte sich die Hazard Ratio auf 1,48 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,43-1,52).

Nach einem erweiterten Modell, in das eine Vielzahl der bekannten Risikofaktoren (Ausbildung, Ehestand, Familienanamnese auf Krebs, Body-Mass-Index, Rauchen, Sport, Alkohol, Vitamine, Obst und Gemüse) einflossen, verminderte sich die Hazard Ratio schließlich auf 1,31 (1,27-1,35). Für Frauen wurden ähnliche Zahlen ermittelt. Auch der Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten (“processed food”) war mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert, nicht dagegen der Verzehr von weißem Fleisch (Geflügel). Hier war ein hoher Konsum sogar mit einem verminderten Sterberisiko verbunden.

Wie immer in Beobachtungsstudien ist nicht sicher, dass alle Störfaktoren erkannt und ausgeschlossen wurden. Sinha berichtet in seiner Arbeit, dass unter den aktiven Rauchern und Exrauchern eine positive Assoziation bestand zwischen dem Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten und einer erhöhten Sterberate an Krebs. Bei den Nichtrauchern war diese Assoziation nicht erkennbar. Sollte die Trennung zwischen dem bekannten Risikofaktor Rauchen und dem vermuteten eines vermehrten Fleischkonsums doch nicht vollständig gelungen sein? 

Falls die Zahlen allerdings die Wirklichkeit richtig widerspiegeln, dann könnten 11 Prozent aller Todesfälle bei Männern, sowie 16 Prozent aller Todesfälle bei Frauen durch eine Verminderung des Verzehrs an rotem Fleisch vermieden werden. Der Editorialist Barry Popkins von der Universität von North Carolina in Chapell Hill, selbst ein bekennender Nicht-Vegetarier, rät den Ärzten, ihre Patienten zu einem maßvollen Verzehr von rotem Fleisch (Archives of Internal Medicine 2009; 169: 543-545) anzuhalten.

Dies käme nicht nur der Gesundheit der Menschen in den Industrieländern zugute, es könnte auch die Getreidepreise für Menschen in den Entwicklungsländern senken (die unter der starken Nachfrage nach Viehfutter steigen), die Umwelt schonen (weil ein signifikanter Anteil der CO2-Emissionen auf die Landwirtschaft entfällt) und zu einem sparsameren Umgang mit der in vielen Ländern knappen Ressource Wasser führen. © rme/aerzteblatt.de

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