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Codein erhöht Unfallrisiko – Häufiger Beikonsum von Benzodiazepinen

Mittwoch, 25. März 2009

Oslo – Opioide wie Codein mindern das Reaktionsvermögen und können dadurch die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. So steht es in den Fachinformationen. Dass dies tatsächlich zu vermehrten Verkehrsunfällen führt, zeigt eine Studie aus Norwegen in Clinical Pharmacology and Therapeutics (2009; doi:10.1038/clpt.2009.14).

Dass alle Norweger eine persönliche Kennnummer haben, die auch in allen Registern eingetragen wird, ist für Epidemiologen von unschätzbarem Wert. Für Liliana Bachs vom Norwegischen Public Health Institut (Folkehelseinstituttet) in Oslo war es durch Abgleich zweier Register leicht möglich, herauszufinden, welchen Personen, die in Verkehrsunfälle verwickelt waren, in den Tagen zuvor codeinhaltige Schmerzmittel verordnet worden.

Ihre Analyse von 181 Unfällen ergibt, dass die (vermutete) Einnahme von Codein das Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, um den Faktor 2 erhöht. Bei den Personen, die den Wirkstoff regelmäßig (mehr als 400 Tabletten pro Jahr) einnehmen, war das Risiko sogar verdreifacht.

Das hohe Unfallrisiko war allerdings nicht allein auf die Wirkung von Codein zurückzuführen. In einer früheren Untersuchung hatte die forensische Toxikologin nachweisen können, dass in Norwegen viele Menschen gleichzeitig mit Codein Benzodiazepine oder Carisoprodol (ein zentral wirkendes Muskelrelaxans) einnehmen (Norsk Epidemiologi 2008; 18: 185-190).

Diese oder ähnliche Medikamente hatten 98 der in die Unfälle verwickelten 181 Personen in der Woche vor dem Unfall verordnet bekommen. Der Mischkonsum beider Substanzen erhöht deshalb das Unfallrisiko beträchtlich, während die sporadische Einnahme von Codein in der Studie nicht mit einem erhöhten Unfallrisiko assoziiert war. © rme/aerzteblatt.de

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Albrecht Ulmer
am Donnerstag, 26. März 2009, 19:09

Keine falschen Schlüsse

Mit einer guten Einstellung im Rahmen einer stabilen Codein- oder Dihydrocodeinbehandlung haben die Ergebnisse der norwegischen Studie nichts Übereinstimmendes. Es ist schon immer bekannt, dass alle möglichen, tendentiell beruhigenden Mittel das Unfallrisiko erhöhen, wenn sie ungeregelt bei Bedarf oder in Dosierungen genommen werden, an die der Einnehmende nicht adaptiert ist. Natürlich erst recht, wenn dazu noch weitere Mittel genommen werden. Der Erkenntniswert der Studie liegt auf dem Niveau der Feststellung: Autos erhöhen das Unfallrisiko. Nichts Neues also aus Norwegen. Höchstens vielleicht eine Erinnerung, bei jeglichen Verordnungen auf dieses Gefahrenpotential hinzuweisen. Aber keine falschen Schlüsse in Bezug auf stabil eingestellte Patienten in gut geführter Behandlung! Codein und Dihydrocodein gehören zu den Substanzen, deren hervorragendes positives Potential wegen solcher, eher billiger und anderer Negativ-Schlagzeilen viel zu wenig genutzt wird.

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