| dpa |
Oulu – Mehrlingsschwangerschaften nach einer In-vitro-Fertilissation (IVF) lassen sich durch den elektiven Transfer einzelner Embryonen vermeiden. Diese Methode ist einer Studie in Human Reproduction (2009; doi:10.1093/humrep/dep042) zufolge ebenso effektiv und dabei noch kostengünstiger als die heute übliche Übertragung zweier Embryonen.
Bei der elektiven Übertragung einzelner Embryonen (elective single embryo transfer, eSET) werden zwei Eizellen der Frau befruchtet, aber zunächst nur ein Embryo in den Uterus übertragen. Der andere Embryo wird für einen zweiten Versuch eingefroren, falls es beim ersten Transfer nicht zu einer Schwangerschaft kommen sollte.
Diese in Skandinavien verbreitete Methode ist deshalb in Deutschland nicht möglich. Das Embryonenschutzgesetz verbietet sie, da im Fall des Gelingens des ersten Transfers ein zweiter Embryo übrig bleibt und damit nicht für den Zweck einer Schwangerschaft genutzt würde, was gegen § 2 des Gesetzes verstößt.
Bereits 2004 konnte die Gruppe um Christina Bergh von der Sahlgrenska Universität in Göteborg zeigen, dass die Schwangerschaftsrate unter der sSET bei Frauen unter 36 Jahren kaum niedriger ist als nach einem konventionellen Transfer zweier Embryonen (double embryo transfer, DET) und zudem fast alle Mehrlingsschwangerschaften vermieden werden (NEJM 2004 351: 2392-2402). Dass diese Ergebnisse auch außerhalb klinischer Studien, in denen bewusst oder unbewusst eine Selektion der Patientinnen erfolgen kann, Bestand haben, belegen die jetzt von Hannu Martikainen von der Universität Oulu in Finnland vorgestellten Ergebnisse.
Der Forscher verglich die Ergebnisse seiner Klinik in zwei Zeiträumen: 1995 bis 1999, als die eSET die Ausnahme war (Anteil 4,2 Prozent der Frauen), und 2000 bis 2004, als 46,2 Prozent sich für eine eSET entschieden. In dieser eSET-Ära war die Erfolgsrate der IVF keineswegs niedriger als in der DET-Ära, sondern sogar noch ein wenig angestiegen.
Das zeigen folgende Zahlen: Kumulative Schwangerschaftsrate pro Eizellenentnahme 38,2 Prozent (eSET) versus 33,1 Prozent (DET); kumulative Lebendgeburtenrate pro Eizellenentnahme 28,0 versus 22,5 Prozent; kumulative Lebendgeburtenrate pro Frau 41,7 versus 36,6 Prozent. Dagegen konnte die Zahl der Mehrlingsgeburten auf 8,9 gegenüber 19,6 Prozent nach DET gesenkt werden.
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