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Beschneidung senkt virales Infektionsrisiko – Kein Einfluss auf Syphilis

Donnerstag, 26. März 2009

Kampala – Die Zirkumzision bei Männern senkt nicht nur das Übertragungsrisiko von HI-Viren. Nach zwei in Afrika durchgeführten randomisierten Studien im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 360: 1298-1309) kann auch anderen viralen sexuell übertragbaren Erkrankungen (teilweise) vorgebeugt werden, nicht aber einer Syphilis. 

In den beiden Studien – die eine vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases die andere von der Bill & Melinda Gates Foundation gesponsert – beteiligten sich in Uganda 3.393 nicht beschnittene Männer im Alter zwischen 15 und 49 Jahren, die zu Beginn nicht mit dem Immunschwächevirus (HIV) und nicht mit Herpes simplex (HSV-2) infiziert waren.

Sie wurden auf zwei Gruppen randomisiert: Bei der einen Hälfte wurde sofort eine Zirkumzision durchgeführt, bei den anderen wurde der Eingriff bis zum Abschluss der Studie nach 24 Monate aufgeschoben. Eine Subgruppe von 697 Teilnehmern wurde auf eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) hin untersucht.

In einer früheren Analyse hatte die Gruppe um David Serwadda von der Makerere Universität in Kampala und Ronald Gray von der Johns Hopkins Universität in Baltimore zeigen können, dass die Zirkumzision das Risiko einer HIV-Infektion senkt  (Lancet 2007; 369: 657-66): Unter den Beschnittenen kam es damals zu 22 HIV-Neuinfektionen (0,66 pro 100 Personenjahre), in der Kontrollgruppe zu 45 Neuinfektionen (1,33 pro 100 Personenjahre).

Diese Zahlen machen deutlich, dass eine Zirkumzision ganz sicher keine Alternative zur Benutzung von Kondomen ist, zu der den Teilnehmern in beiden Gruppen auch geraten worden war, was aber offenbar nicht immer beherzigt wurde. In Ländern mit einer hohen HIV-Prävalenz ist die Zirkumzision jedoch eine, inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene, unterstützende Maßnahme gegen die weitere Ausbreitung von HIV.

Jetzt berichten die Forscher über die Auswirkungen auf die Übertragung von HSV-2 und HPV. Ähnlich wie bei HIV ist eine präventive Wirkung nachweisbar, die aber ebenso wie bei HIV keinen absoluten Schutz bietet: Von den beschnittenen Männern infizierten sich in den 24 Monaten 7,8 Prozent mit HSV-2, in der Kontrollgruppe waren es 10,3 Prozent.

Das ergibt eine adjustierte Hazard Ratio von 0,72 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,56-0,92) mit anderen Worten: Eine relative Reduktion um 28 Prozent. Auch die HPV-Prävalenz wurde von 27,9 Prozent auf 18,0 Prozent gesenkt. Das ergibt eine adjustierte Hazard Ratio von 0,65 (0,46-0,90) oder eine Reduktion um 35 Prozent.

Insgesamt ist das ein Erfolg, der ein wenig getrübt wird durch die Ergebnisse zur Syphilis-Diagnostik: Unter den Männern, die zu Beginn negativ auf HIV und Treponema pallidum waren, hatten sich in den beiden Jahren der Studie im Interventionsarm 2,4 Prozent und in der Kontrollgruppe 2,1 Prozent neu mit Syphilis infiziert. Das ergibt eine nicht signifikante adjustierte Hazard Ratio von 1,10.

Warum die Zirkumzision einen relativen Schutz vor viralen Infektionen, nicht aber vor T. pallidum bietet, ist unklar. Bekannt ist, dass sich HSV-2 und HPV (anders als T. pallidum) in epithelialen Zellen vermehren und die bei nicht beschnittenen Männern größere Schleimhautoberfläche, vielleicht aber auch das feuchte Milieu unterhalb der Vorhaut oder die Verletzlichkeit beim Geschlechtsverkehr könnten das Übertragungsrisiko erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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