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Alkoholismus: “Housing first” senkt Versorgungskosten

Mittwoch, 1. April 2009

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Seattle – Seit die Stadt Seattle obdachlosen Alkoholikern eine Wohnung vermittelt, ohne die Bedingung einer Abstinenz zu stellen, sinkt nicht nur die Kriminalitätsrate der Obdachlosen. Auch der Alkoholkonsum geht zurück und die Stadt spart dank geringerer Kosten für Krankenversorgung und institutionelle Unterbringungen sogar Steuergelder, wie aus einer Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 301: 1349-1357) hervorgeht.

„Housing first“ nennt sich ein relativ neuer Ansatz in der Betreuung von Obdachlosen, der bewusst darauf verzichtet, die Vermittlung einer Wohnung an Bedingungen zu knüpfen, welche die zumeist psychisch kranken und alkoholabhängigen Obdachlosen ohnehin nicht einhalten können.

Viele verweigern sich auch den Obdachlosenunterkünften und übernachten lieber im Freien. Fast alle Obdachlosen, denen eine Wohnung in 1.811 Eastlake-Avenue angeboten wurde, stimmten jedoch zu, weshalb es Wartezeiten gibt. Dies ermöglichte es Mary Larimer von der Universität des US-Staates Washington in Seattle durch einen Vergleich von 95 Teilnehmern des Housing first-Projekts und 39 Obdachlosen auf der Warteliste die Auswirkungen des Projekts auf die Gesundheitsversorgung und die Gesamtkosten zu untersuchen.

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Zunächst einmal zeigt die Studie, dass es für den Steuerzahler keineswegs die kostengünstigste Lösung ist, die Obdachlosen ihrem eigenen Schicksal zu überlassen. Durch die Krankenversorgung (mehr als 700 US-Dollar pro Notfallaufnahme) und die häufigen Gefängnisaufenthalte (fast 200 US-Dollar pro Hafttag) verursachten die Obdachlosen vor ihrer Teilnahme am 1.811 Eastlake-Projekt Kosten von immerhin 4.066 US-Dollar pro Monat.

Während der ersten sechs Monate nach dem Einzug in die eigene Wohnung sanken die Kosten, die durch Kriminalität, Unterbringung in Ausnüchterungszellen oder Krankenversorgung entstanden, auf 1.492 US-Dollar und im zweiten halben Jahr auf 958 US-Dollar.

Selbst wenn man die Ausgaben für die Unterkunft miteinbezieht, halbierten sich die Gesamtkosten. Gegenüber den Obdachlosen auf der Warteliste musste der Steuerzahler im Durchschnitt 2.449 US-Dollar pro Monat weniger ausgeben, rechnen die Autoren vor.

Im Unterschied zu den meisten Obdachlosenunterkünften dürfen die Bewohner von 1.811 Eastlake-Avenue weiterhin Alkohol trinken. Dies führte jedoch keineswegs dazu, dass der Konsum an Alkohol und Drogen zunahm. Der feste Wohnsitz verbessert laut Frau Larimer die Chance, dass die Patienten für Therapieangebote empfänglich werden. Der Alkoholkonsum nahm im ersten Jahr langsam aber stetig um zwei Prozent pro Monat ab. © rme/aerzteblatt.de

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