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Medizin

Bettwanzen: Lästig, aber harmlos

Freitag, 3. April 2009

Jackson –  Cimex lectularius kann ein sehr lästiger Bettgenosse sein. Ein Krankheitsrisiko geht von der gemeinen Bettwanze jedoch nicht aus, schreiben Dermatologen im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 301: 1358-1366).

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In den letzten Jahren häufen sich in den Medien die Berichte über Menschen, die von Bettwanzen heimgesucht wurden: Fernreisen, Migration, veränderte Methoden bei der Schädlingsbekämpfung, vielleicht auch Resistenten gegen Pestizide sind der Grund, warum dieser Parasit in den letzten Jahren wieder häufiger geworden ist, nachdem er in den Industrieländern ausgestorben zu sein schien.

Doch die 91 Spezies dieser hinterflügellosen obligat hämatophagen Ektoparasiten haben in den letzten Jahren Terrain zurückgewonnen, meinen auch Jerome Goddard und Richard deShazo von der Universität in Jackson im US-Staat Mississippi. Nüchtern sind die Wanzen etwa 5 Millimeter lang und mit bloßem Auge gut zu erkennen.

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Nach der Mahlzeit nehmen sie in der Länge um 30 bis 50 Prozent und an Gewicht um 150 bis 200 Prozent zu. Die meisten Patienten bekommen allerdings nur den Kot der Tiere zu Gesicht, da Cimex lectularius lichtscheu ist und sich nach der Mahlzeit gerne in Ritzen und Matratzen zurückzieht, in ein bis zwei Meter Entfernung von seinem Ernährer. 

Zunächst wenden sich die Betroffenen zwar aber an einen Kammerjäger, wenn sie aber auf Reisen in Hotels gestochen werden, dürfte die Frage an den Arzt aufkommen, ob die Tierchen nicht auch zum Überträger von Krankheiten werden können.

Die Antwort fällt Goddard und deShazo nicht ganz leicht, denn in den Datenbanken PubMed und Toxline sowie in bis 1892 zurückreichenden Handbüchern und Zeitungsartikeln fanden die Dermatologen nur 53 Hinweise auf eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Cimex lectularius. In älteren Quellen wurden die Bettwanzen mit  40 Infektionskrankheiten in Verbindung gebracht wie Pest und Pocken, Tuberkulose und Lepra und eine Reihe von Tropenerkrankungen.

Die wenigen experimentellen Studien liefern jedoch keine Bestätigung für diese Behauptungen. Das gilt auch für die heute am meisten gefürchteten Erreger: Wanzen lassen sich zwar mit HIV oder Hepatitisviren infizieren und das Material ist noch Stunden (bei HIV) oder Wochen (bei HBV) in den Tieren nachweisbar.

Die Viren replizieren sich jedoch nicht, und Versuche, die „Vektorkompetenz“ der Wanzen zu belegen, sind gescheitert: Schimpansen, die von Hepatitis B kontaminierten Wanzen gestochen wurden, serokonvertierten nicht. Die Angst, sich durch Wanzen mit Infektionskrankheiten zu infizieren, dürfte deshalb unberechtigt sein, schreiben die Autoren trotz der geringen Anzahl der Studien.

Auch die Stiche selbst werden in der Regel gut vertragen, solange es bei einzelnen Besuchen bleibt. Wer mehrfach gestochen wird, kann eine Immunreaktion auf Bestandteile des Speichels der Tiere entwickeln, die sich zumeist auf eine Lokalreaktion an der Einstichstelle beschränkt. Vereinzelt wurden jedoch auch systemische Reaktionen, von einer Urtikaria bis hin zum Angioödem, beschrieben. © rme/aerzteblatt.de

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