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Plastizität: Handtransplantation verändert das Gehirn

Dienstag, 7. April 2009

Lyon – Der Erfolg einer Handtransplantation zeigt sich nicht nur darin, dass die Patienten wieder leichte manuelle Tätigkeiten verrichten können. Nach einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2009; doi: 10.1073/pnas.0809614106) kommt es auch zu einer Rückwirkung auf den motorischen Cortex, der die erstaunliche Plastizität des Gehirns dokumentiert. 

Das Team um die Hirnforscherin Angela Sirigu vom Centre de Neuroscience Cognitive an der Universität Lyon konnte zwei Patienten nach einer bilateralen Handtransplantation begleiten. Beide können heute wieder leichte Tätigkeiten verrichten: Wählen am Telefon, Benutzung eines Schraubenziehers.  

Das war nicht unbedingt zu erwarten, denn zum Zeitpunkt der Operation lag die Amputation bereits 3 beziehungsweise 4 Jahre zurück. Während der Zwischenzeit war es zu einer Reorganisation im Cortex gekommen. In der prämotorischen Rinde (M1) steuerten die Neurone, die vormals die Handbewegungen dirigiert hatten, die Muskulatur im Stumpf. 

Nach der Transplantation sollte sich dies langsam wieder ändern. Die Muskeln des transplantierten Arms „eroberten“ die kortikale Repräsentanz der früheren Hand zurück. Erwartungsgemäß gelang dies dem jüngeren Patienten, der bei der Operation 20 Jahre alt war, schneller als dem älteren 41 Jahre alten Patienten.

Überraschend war indes, dass die linke Hand vom Gehirn früher (nach 10 Monaten beim jüngeren Patienten) akzeptiert wurde als die dominierende rechte Hand (26 Monate beim jüngeren Patienten). Beim älteren Patienten war nach 51 Monaten nur die Repräsentanz der linken Hand in M1 abgeschlossen.

Sirigu möchte sich angesichts der geringen Erfahrungen an nur zwei Patienten nicht festlegen. Sie vermutet aber, dass die bevorzugte Benutzung der rechten Hand (bei der Rechtshändigkeit) die neuronale Plastizität einschränkt. Beide Patienten hatten vor der Transplantation übrigens eine Armprothese benutzt. Die Hirnforscherin vermutet, dass dies die spätere Reorganisation in M1 erleichtert hat, wofür es allerdings keine Belege gibt. © rme/aerzteblatt.de

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