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Prostatakarzinom: Neue Antiandrogene wirken auch bei Resistenz

Dienstag, 14. April 2009

Los Angeles – US-Wissenschaftler haben ein Antiandrogen der zweiten Generation entdeckt, das in einer ersten klinischen Studie (Science 2009; doi: 10.1126/science.1168175) selbst bei Männern mit einem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (CRPC) noch den PSA-Wert senken kann. Welchen klinischen Stellenwert der Wirkstoff hat, soll jetzt eine Phase-III-Studie zeigen.

Androgene sind ein wesentlicher Wachstumsfaktor für die Zellen des Prostatakarzinoms. Dennoch bleibt die Therapie mit Antiandrogenen beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom nur vorübergehend erfolgreich. Früher oder später kommt es erneut zum Tumorwachstum.

Die Resistenz wird darauf zurückgeführt, dass die Krebszellen die Produktion von Androgenrezeptoren so weit steigern, bis der Wirkstoff in der Minderzahl ist. Hinzu kommt, dass die Antiandrogene ab einem bestimmten Zeitpunkt die Rezeptoren nicht mehr blockieren, sondern sogar stimulieren, weshalb einige Wissenschaftler den Sinn der Therapie infrage stellen.
Nicht so die Forscher um Charles Sawyers vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York, der vor einigen Jahren, damals noch in Los Angeles, gezielt nach Antiandrogenen suchte, die ihre Wirksamkeit auch behalten, wenn die Zellen vermehrt Rezeptoren bilden.

Die Forscher entdeckten zwei Wirkstoffe, die nicht nur den Rezeptor blockieren, sondern auch die Translokation in den Zellkern und die Bindung des Rezeptors an die DNA verhindern. Selbst bei CRPC wird, anders als bei den derzeit klinisch eingesetzten Antiandrogenen noch eine Wirkung erzielt. Die beiden oral verfügbaren Wirkstoffe RD162 und MDV3100 wurden zunächst in einem Mäusemodell mit CRPC untersucht. 

Es folgte eine klinische Phase-I/II-Studie mit MDV3100, die derzeit noch nicht abgeschlossen ist. Die Autoren berichten in Science über ihre Erfahrungen an den ersten 30 Patienten. Bei allen war es unter der Therapie mit Antiandrogenen der ersten Generation zu einer Tumorprogression gekommen, bei 12 Patienten war auch eine taxanbasierte Chemotherapie gescheitert.

Unter der Therapie mit 30 oder 60 mg/die MDV3100  kam es bei 22 von 30 Patienten zu einem anhaltenden Rückgang des PSA über wenigstens 12 Wochen, bei 13 von 30 Patienten fiel der PSA sogar um mehr als 50 Prozent. 11 Patienten werden seit mehr als 25 Wochen behandelt. Sie sollen das Medikament gut vertragen. Bei den anderen Patienten wurde MDV3100 wegen einer Krankheitsprogression abgesetzt. 

Dies deutet schon darauf hin, dass von MDV3100 allenfalls eine Verzögerung, aber keine Heilung zu erwarten ist. Wegen der guten Verträglichkeit erscheint aber eine weitere Dosissteigerung möglich zu sein. Demnächst wollen die Forscher über die Ergebnisse an 110 weiteren Patienten berichten.

Wegen der in Pilotstudien häufigen Selektion der Patienten sollten die Erwartungen jedoch nicht zu hoch gesteckt werden. Eine endgültige Einschätzung ist erst in einigen Jahren nach dem Abschluss einer angekündigten Phase-III-Studie zu erwarten, der die US-Arzneibehörde FDA Mitte März 2009 ihre Zustimmung erteilte und an der etwa 1.200 Patienten teilnehmen sollen. Einschlusskriterium ist ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom und das Versagen einer docetaxelbasierten Chemotherapie. © rme/aerzteblatt.de

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