Typ-II-Diabetes mellitus: Hypoglykämien als Demenzrisiko
Mittwoch, 15. April 2009
dpa
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Oakland –Typ-II-Diabetiker erkranken im Alter häufiger an einer Demenz. Eine mögliche Ursache könnten Hypoglykämien sein, eine gefürchtete Komplikation der Insulintherapie. In einer longitudinalen Kohortenstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 301: 1565-1572) war die Zahl der schweren Hypoglykämien bei Menschen mit Typ-II-Diabetes mellitus mit dem Risiko einer Demenzerkrankung im Alter assoziiert.
Für das Gehirn ist Glukose der wesentliche Brennstoff und bereits die kurzfristige Unterversorgung kann zu Funktionsstörungen führen. Diese Hypoglykämien gehen in milden Fällen mit einer Benommenheit oder Desorientierung einher. Im schweren Fällen kommt es zu Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen. Nicht selten wird dann eine Hospitalisierung notwendig.
Das ist bei für Typ-II-Diabetiker kein seltenes Ereignis: Unter den über 55 Jahre alten Typ-II-Diabetikern der US-Krankenkasse Kaiser Permanente mussten 8,8 Prozent bereits einmal wegen einer Hypoglykämie in einer Klinik behandelt werden. Nach der Analyse der Epidemiologin Rachel Whitmer aus der Forschungsabteilung des Versicherers in Oakland/Kalifornien ging bereits eine schwere Hypoglykämie mit einem um 26 Prozent erhöhten Risiko auf eine Altersdemenz einher. Bei zwei schweren Hypoglykämien war das Risiko um 80 Prozent erhöht. Bei drei oder mehr schweren Hypoglykämien war das Demenzrisiko fast verdoppelt.
Nach den Berechnungen Whitmers steigt das absolute Risiko von Typ-II-Diabetikern an einer Demenz zu erkranken nach einer schweren Hypoglykämie pro Jahr um 2,39 Prozent. Das mag gering erscheinen, die kumulative Wirkung wäre jedoch beträchtlich und möglicherweise eine Erklärung für die hohe Rate von Demenzerkrankungen unter Diabetikern.
Hypoglykämien sind in der Regel Folge der Insulintherapie, zu der immer häufiger auch älteren Menschen mit Typ-II-Diabetes mellitus geraten wird, in dem Bemühen den HbA1c-Wert zu optimieren. Whitmer erinnert daran, dass kürzlich ein Therapiearm der “Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes Mellitus” oder ACCORD-Studie, die besonders niedrige HbA1c -Werte (6 Prozent oder niedriger) angestrebt hatte, wegen einer erhöhten Sterberate abgebrochen werden musste.
In der “Action in Diabetes Mellitus and Vascular Disease” oder ADVANCE-Studie, die weniger anspruchsvolle Blutzuckerziele verfolgte (HbA1c -Werte 6,5 Prozent oder niedriger), wurden keine vermehrten Todesfälle beobachtet. Die Todesfälle standen zwar nicht mit Demenzen in Verbindung. Diese Frage wird aber Gegenstand weiterer Analysen der beiden Studien sein sowie einer dritten Studie, der “Outcome Reduction With Initial Glargine Intervention” oder ORIGIN-Studie.
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