Cambridge – Das X-Chromosom ist offenbar ein Ort der genetischen Gegensätze. Einerseits kann der Ausfall einzelner Gene zu einer schweren mentalen Retardierung führen, andererseits scheinen nach einer neuen Studie in Nature Genetics (2009;doi: 10.1038/ng.367) selbst größere Lücken im Chromosom ohne spürbare Folgen zu bleiben.
Etwa drei Prozent der Bevölkerung weisen schwere Lernstörungen auf, die als mentale Retardierung bezeichnet werden. Etwa ein Drittel dieser Störungen sind genetisch bedingt und viele der ursächlichen Gene werden auf dem X-Chromosom vermutet. In der Vergangenheit wurden bereits mehrere der verantwortlichen Gendefekte beschrieben.
Die übrigen wollte jetzt ein Team aus 70 Wissenschaftlern aus allen Teilen der Welt (deutsche Beteiligung: MPI für molekulare Genetik, Berlin) finden. Die Gruppe um Andrew Futreal und Michael Stratton vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge führte das nach eigener Aussage bisher größte genetische Massenscreening durch.
Bei Mitgliedern von 208 Familien mit X-Chromosomaler Mentaler Retardierung (XLMR) wurden fast alle bekannten Exone sequenziert. Exone sind Abschnitte der DNA, die nachweislich Proteine kodieren. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass diese Proteine für den Stoffwechsel von Bedeutung sind.
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