Eingeloggt als

Suchen in

6.838 News Medizin

Medizin

MDR-Tuberkulose in Osteuropa und China weiter auf dem Vormarsch

Dienstag, 21. April 2009

Genf – Infektionen mit resistenten Tuberkelbakterien breiten sich weiter aus. Besonders bedrohlich ist die Lage in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und in China, wie ein Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Lancet (2009; doi:10.1016/S0140-6736(09)60331-7) berichtet.

Die neuesten Daten des Global Project on Anti-Tuberculosis Drug Resistance basieren auf 90.000 Tuberkulose-Patienten aus 83 Ländern, bei denen zwischen 2002 und 2007 die Empfindlichkeit von Mycobacterium tuberculosis auf verschiedene Antibiotika bestimmt wurde.

Bei einer Resistenz gegen die beiden besten und zugleich kostengünstigsten Mittel Isoniazid und Rifampicin sprechen die Experten von einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB). Sie verteuert die Therapie von 14 auf mehrere tausend US-Dollar, da die Patienten mit teueren Medikamenten über eine längere Zeit (12 bis 18 Monate) behandelt werden müssen.

Die MDR-TB hat weltweit einen Anteil allen Erkrankungen von fast fünf Prozent erreicht, wobei es große Unterschiede zwischen den beiden größten ehemaligen kommunistischen Ländern und dem Rest der Welt gibt. 

Wie Abigail Wright und Dennis Falzon von der WHO in Genf und Mitarbeiter berichten, lag der Anteil der MDR-TB an allen Tuberkulosefällen in neun Ländern der ehemaligen Sowjetunion zwischen 7 und 22 Prozent, darunter 19 Prozent in Moldawien und 22 Prozent im aserbaidschanischen Baku. In zwei chinesischen Provinzen liegt die Rate bei sieben Prozent. 

zum Thema
In den Industrienationen, wo die Tuberkulose an sich bereits seltener ist als in Osteuropa und Ostasien, ist auch der Anteil der MDR-TB niedriger: Er beträgt in Großbritannien und den Niederlande weniger als ein Prozent, in Frankreich ein Prozent, in Deutschland zwei Prozent, woraus sich keine akute Bedrohung ablesen lässt – außer man betrachtet die geografische Nähe zu einigen osteuropäischen Ländern. 

Dort ist der Anteil mit 13 Prozent für den gesamten osteuropäischen Raum weiterhin hoch. In Estland und Lettland hat sich die Lage allerdings, wenn auch auf hohem Niveau stabilisiert (2005 jeweils 13,3 Prozent und 10,8 Prozent). Dagegen hat sich die Situation in Russland verschlechtert: In den russischen Verwaltungsbezirken Tomsk stieg der Anteil von 6,5 Prozent 1999 auf 15,0 Prozent 2007, in Orel nahm er von 2,6 Prozent 2002 auf 8,8 Prozent 2005 deutlich zu. Auch aus Südkorea wird eine Zunahme von 1,6 Prozent 1994 auf 2,7 Prozent 2007 berichtet.

Das ganze Ausmaß der MDR-TB lässt sich schwer abschätzen, da es gerade in den Ländern mit der höchsten Verbreitung keine landesweiten Statistiken gibt, wie Martien Borgdorff von der Universität Amsterdam und Peter Small von der Gates Foundation in Seattle schreiben (Lancet 2009; doi: 10.1016/S0140-6736(09)60557-2).

Noch weniger als über die MDR-TB ist über die Verbreitung der extremen Medikamentenresistenz (XDR-TB) bekannt, bei der die Erreger außer auf Isoniazid und Rifampicin zusätzlich eine Resistenz gegen Fluorochinolone plus eines von drei parenteralen Zweitlinienmedikamenten (zum Beispiel Amikacin, Kanamycin oder Capreomycin) entwickelt haben. Fünf vormalige Staaten der Sowjetunion (Aserbeidschan, Estland, Lettland, Litauen und Russland) berichteten jeweils von 25 oder mehr Fällen. Der Anteil der XDR-TB innerhalb aller MDR-TB-Fälle betrug in diesen Ländern zwischen sieben und 24 Prozent. 

Das WHO-Team muss eingestehen, dass derzeit noch nicht abzusehen ist, ob die Ziele, welche die WHO im Global Plan to Stop TB 2006-2015 festgelegt hat, erreicht werden können. Zwar haben bereits 184 Länder die DOTS (Directly Observed Treatment Short-course) eingeführt, welche die Einnahme der Medikamente unter Aufsicht vorsieht.

In vielen Ländern fehlen jedoch die Ressourcen und Möglichkeiten Resistenztests durchzuführen, ohne die eine effektive Therapie einer MDR-Tuberkulose nicht möglich ist. Die WHO schätzt, dass von den neun Millionen Neuinfektionen mit einer Tuberkulose bereits 490.000 auf MDR-TB-Erreger entfallen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.838 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste