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Weiterer 5-Alpha-Reduktase-Inhibitor senkt Prostatakrebsrisiko

Mittwoch, 29. April 2009

St. Louis – Die Behandlung mit dem 5-Alpha-Reduktase-Hemmer Dutasterid senkt bei Männern mit erhöhtem PSA-Wert das Risiko auf ein Prostatakarzinom. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie, die auf der Jahrestagung der American Urological Association in Chicago vorgestellt wurden.

Dutasterid war nach Finasterid der zweite 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, der zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) eingeführt wurde. Beide Wirkstoffe hemmen die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron. Dieses ist das stärkste Androgen, das nicht nur zu einer gutartigen Vergrößerung der Prostata führt, sondern auch ein wichtiger Wachstumsfaktor für maligne Zellen in der Prostata ist.

Die Vermutung einer krebspräventiven Wirkung von 5-Alpha-Reduktase-Hemmern war deshalb nur folgerichtig. Für Finasterid konnte sie bereits im Juli 2003 gezeigt werden. Im Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT), einer Studie des US-National Cancer Instituts, senkte die tägliche Einnahme von Finasterid nach sieben Jahren die Häufigkeit von Prostatakarzinomen von 24,4 Prozent im Placeboarm auf 18,4 Prozent.

In der ersten Publikation war jedoch auch herausgekommen, dass gleichzeitig die Rate der prognostisch ungünstigen High-grade-Karzinome anstieg. Heute wird dies als statistisches Artefakt betrachtet.

Doch erst Anfang diesen Jahres entschieden sich die US-Fachgesellschaften, Finasterid zur Prävention des Prostatakarzinoms zu empfehlen – unter der Voraussetzung, dass die Ärzte den Patienten auch die Nachteile der Therapie vor Augen führen, die in einer erektilen Dysfunktion, im Libidoverlust und einer Gynäkomastie bestehen. Die meisten Patienten dürften in der Krebsprävention deshalb einen Zusatznutzen sehen, wenn sie das Medikament ohnehin zur Therapie der BPH einnehmen müssen.

Jetzt liegen die Ergebnisse einer ähnlichen Studie für Dutasterid vor. An der Reduction by Dutasteride of prostate Cancer Events oder REDUCE-Studie nahmen 8.121 Männer im Alter von 55 bis 75 Jahren teil (PCPT: 18.882 Männer im Alter von 55 Jahren oder älter), die täglich eine Tablette einnahmen, die entweder 0,5 mg Dutasterid oder ein Placebo enthielt. Wesentlicher Unterschied zur PCPT, die körperlich gesunde Männer aufnahm: Die Teilnehmer der REDUCE-Studie hatten ein erhöhtes Risiko auf ein Prostatakarzinom. Ihre PSA-Werte waren auf 2,5 bis 10 ng/ml (bei Männern über 60 auf 3 bis 10 ng/ml) erhöht. Eine Kontrollbiopsie war jedoch unauffällig gewesen: Entweder hatten sie zu Beginn der Studie kein Malignom oder aber die Tumorherde waren zu klein, um erkannt zu werden. 

Unter dieser Bedingung erzielte Dutasterid eine signifikante krebspräventive Wirkung. Nach zwei Jahren wurde im Placebo-Arm bei den 17,2 Prozent der Männer ein Prostatakarzinom entdeckt gegenüber 13,4 Prozent unter Dutasterid. Nach vier Jahren wurde im Placebo-Arm bei weiteren 11,8 Prozent ein Prostatakrebs entdeckt gegenüber weiteren 9,1 Prozent unter Dutasterid, wie die Gruppe um Gerald Andriole von der Washington University School of Medicine in St. Louis auf dem Kongress mitteilte.

Der Experte glaubt nicht unbedingt, dass Dutasterid einem Krebswachstum vorbeugen kann, wahrscheinlicher sei, dass das Wachstum bereits vorhandener Tumore vermindert werde und die Männer deshalb später an dem Krebsleiden erkranken. Er sieht in dem Medikament dennoch eine Option für jene Männer, bei denen nach einem erhöhten PSA-Wert die Kontrollbiopsien negativ ausfällt.

Selbstverständlich hatten die Autoren auch geprüft, ob die Therapie mit Dutasterid zu einer vermehrten Rate von High-grade-Karzinomen führt. Dies war nicht der Fall. Die Häufigkeit von Tumoren mit einem Gleason-Score 7 bis 10 betrug unter Placebo 6,8 Prozent und unter Dutasterid 6,7 Prozent. Tumoren mit Gleason-Scores 8 bis 10 wurden im Dutasterid-Arm mit 0,9 Prozent zwar häufiger als unter Placebo (0,6 Prozent) beobachtet. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant.

Unvermeidbar war, wie immer bei einer Chemoprophylaxe, dass viele gesunde Personen der Toxizität der Wirkstoffe ausgesetzt werden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren nach Angabe des Herstellers eine erektile Dysfunktion (9,0 vs. 5,7 Prozent), Libidoverlust (3,3 vs. 1,6 Prozent) und eine Gynäkomastie (1,9 vs. 1,0 Prozent). © rme/aerzteblatt.de 

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adonis
am Donnerstag, 30. April 2009, 13:28

Was für ein tolles Medikament!!!!!!!!!

Besonders die Nebenwirkungen werden die Pharmafirmen interessieren. Kann man doch gleich eine Packung Viagra mitverkaufen. Nur der Libidoverlust kann dafür negativ sein. Vielleicht legt man noch einen Porno bei.l Die Gynäkomastie lässt sich verkraften.

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