St. Paul/Minnesota – Zwei US-Fachgesellschaften ziehen Konsequenzen aus Studien, in denen Valproinsäure häufiger als andere Anti-Epileptika mit Fehlbildungen und kognitiven Störungen assoziiert war. Die neuen Leitlinien warnen explizit vor dem Wirkstoff. Es gibt aber noch weitere Schwangerschaftsrisiken für Frauen mit Epilepsie.
Das teratogene Risiko von Valproinsäure ist seit längerem bekannt. Hinzu kommt, dass der Wirkstoff die kognitive Entwicklung der Kinder schädigt, wie zuletzt eine Beobachtungsstudie des schwedischen Karolinska Institut gezeigt hatte (NEJM 2009: 360: 1667-1669). Neurologen betrachten Valproinsäure schon lange als notwendiges Übel.
Notwendig deshalb, weil bei etwa 15 Prozent aller primär generalisierten Epilepsien ohne Valproinsäure keine Anfallsfreiheit erzielt wird. Deshalb gehen die Empfehlung in der gemeinsamen Leitlinie der American Academy of Neurology und der American Epilepsy Society auch nur soweit, den Einsatz von Valproinsäure zu vermeiden. Ein Verbot erscheint unrealistisch.
Gewarnt wird auch vor einer Polytherapie mit mehreren Mitteln, die genauso wie eine Monotherapie mit Valproinsäure mit einem erhöhten Risiko von Fehlbildungen und kognitiven Störungen einhergehe. Kognitive Störungen drohen nach Ansicht der Leitlinien-Autoren auch unter der Therapie mit Phenytoin oder Phenobarbital, die ebenfalls zurückhaltend eingesetzt werden sollten.
Die Autoren sehen es als wahrscheinlich an, dass der Einsatz von Antiepileptika generell das Risiko auf eine Mangelgeburt („small for gestational age“) oder auf einen erniedrigter Apgar-Score erhöhen (Neurology 2009; doi:10.1212/WNL.0b013e3181a6b312).
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