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H1N1: WHO vor Impfstoffentscheidung

Donnerstag, 7. Mai 2009

Genf/Washington –  Die Weltgesundheitsorganisation will in der nächsten Woche entscheiden, ob die derzeitige Produktion des saisonalen Impfstoffes ausgesetzt und auf eine Influenza A/H1N1-Vakzine umgeschwenkt werden sollte. 

Außerhalb Mexikos hat es bisher nur zwei Todesfälle gegeben. Bei beiden Patienten sollen schwere Begleiterkrankungen vorgelegen haben, auch wenn die CDC dazu keine Einzelheiten mitteilt. Bei körperlich gesunden Menschen verläuft die Grippe derzeit milde. Die Experten warnen aber, dass dies nicht so bleiben muss.

Influenzaviren gelten als genetisch variabel. Mutationen sind keine Seltenheit, und auch bei der Spanischen Grippe 1918/19 soll es nach anfänglich milden Verläufen erst nach Monaten zu einem Umschwenken in eine tödliche Pandemie gekommen sein. Konkret gehen die Befürchtungen dahin, dass sich im kommenden Winter, wenn die kalte trockene Witterung die Ausbreitung der Viren begünstigt, eine schwere Grippe-Welle bevorsteht.

Die WHO will auf einer geplanten Tagung am 14. Mai entscheiden, ob die angelaufene Produktion des Impfstoffes für die nächste Grippesaison gestoppt werden soll, um auf einen neuen Impfvirus zu wechseln, der Antigene der neuen Influenza A/H1N1 berücksichtigt.

Die Entscheidung dürfte nicht leicht fallen, schließlich besteht die Gefahr, dass die neue Influenza A/H1N1 bis zum Winter ausläuft und dann kein Impfschutz für die „alte“ saisonale Grippe zur Verfügung steht, an der nach Angaben der WHO jährlich 3 bis 5 Millionen Menschen erkranken und 250 bis 500.000 Menschen sterben. An der Neuen Influenza A/H1N1 sind bisher erst 2099 Menschen erkrankt, bei einer weiterhin unklaren Zahl von Todesfällen (Update 19 der WHO). 

Die Leiterin der Initiative for Vaccine Research der WHO, Marie-Paule Kieny, erklärte am 6. Mai gegenüber der Presse, dass es fünf bis sechs Monate dauern würde, bis ein neuer Impfstoff zur Verfügung stünde. Dies setzt allerdings voraus, dass die WHO-Labors den Herstellern das Ausgangsmaterial („seed strain“) zur Verfügung stellen können, was frühestens Ende Mai der Fall sein werde.

Der Impfstoff würde demnach erst Ende des Jahres bereit stehen und nur eine begrenzte Zahl von Patienten könnten geimpft werden. Kieny sprach von ein bis zwei Millionen Dosierungen, wobei unklar ist, ob eine einmalige Impfung ausreichen würde, oder eine zweite Impfung erforderlich wäre. Zur Unterbrechung einer Pandemie würde der Impfstoff auf keinen Fall reichen.

Engpässe scheint auch die FDA zu befürchten, die am 6. Mai der Firma Sanofi-Pasteur die Genehmigung zum Betrieb einer neuen Impfstofffabrik erteilte. Vorgesehen ist zwar die Produktion des derzeitigen saisonalen Impfstoffes, aber die Behörde stellte klar, dass jederzeit auf einen Impfstoff gegen die Neue Influenza A/H1N1 gewechselt werden könnte.

Derweil treffen bei US-Experten die ersten Anfragen aus der Bevölkerung ein, ob es nicht ratsam sei sich nach dem Vorbild der „Windpockenpartys“ absichtlich mit der derzeit noch milden Variante der Influenza H1N1 anzustecken wollen. Die meisten Experten riefen empört von derartigen „mittelalterlichen“ Methoden ab, wegen der unklaren Risiken und der nicht sicheren Aussicht eine Immunität zu erwerben.

Andere Experten scheinen nach einem Bericht in der New York Times die Idee nicht völlig absurd zu finden. Ein Infektiologe meinte, er sehe derzeit jedenfalls keinen Grund, sich – etwa durch Tragen einer Gesichtsmaske – aktiv vor einer Ansteckung zu schützen. © rme/aerzteblatt.de

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