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Neue Hypertonie-Gene entdeckt

Montag, 11. Mai 2009

Boston/Rotterdam/Greifswald – Zwei internationale Konsortien beschreiben eine Reihe von Genvarianten, die das Risiko auf eine arterielle Hypertonie erhöhen. Die Auswirkungen der einzelnen Gene auf den Blutdruck sind minimal.

Die Entdeckungen, die auf der Jahrestagung der American Society for Hypertension in San Francisco und in Nature Genetics (2009; doi:10.1038/ng.361 und ng.384) vorgestellt wurden, werfen aber ein neues Licht auf die Pathogenese der häufigen Erkrankung.

Der Aufwand war gewaltig. Das „Consortium Cohorts for Heart and Aging Research in Genomic Epidemiology“ oder CHARGE-Consortium umfasst mit der Framingham Heart Study, der Atherosclerosis Risk in Communities Study, der Cardiovascular Health Study und der Rotterdam Studie einige der bekanntesten Kohorten zur Herz-Kreislauf-Forschung.

Hinzu kommt die „Age, Gene/Environment Susceptibility Reykjavik Studie“, die Zugriff auf den homogenen Genopool der isländischen Bevölkerung hat. Das Konsortium hat im Rahmen einer genomweiten Assoziationsstudie (GWAS) fast 30.000 Patienten genetisch untersucht.

Das Global Blood Pressure Genetics oder Global BPgen Consortium brachte es in einer Meta-Analyse aus 17 GWAS sogar auf fast 35.000 Personen, darunter 4.000 aus der Greifswalder Gesundheitsstudie (Study of Health in Pomerania - SHIP). 

In beiden Projekten wurde das menschliche Genom „durchsiebt“, wie es in der Pressemitteilung der Universität Greifswald heißt: Unter den etwa 2,5 Millionen bekannten Genvarianten (Single Nucleotide Polymorphism, SNP) wurden jene gesucht, die bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck häufiger auftreten als bei anderen Menschen.

In beiden Gruppen wurden die gleichen Risikogene entdeckt. Cornelia van Duijn von der Erasmus-Universität in Rotterdam hebt für das CHARGE-Symposium Varianten in elf Genen hervor. Christopher Newton-Cheh von der Harvard Universität in Boston erwähnt acht neue Hypertoniegene. 

Der Einfluss der einzelnen Gene auf den Blutdruck ist minimal. Sie erklären jeweils nur einen Anstieg um 1 mm Hg systolisch oder 0,5 mm Hg diastolisch. Die Kombination mehrerer Gene spielt demnach eine entscheidende Rolle, denn der dauerhafte Anstieg des diastolischen Blutdrucks um 5 mm Hg erhöht langfristig das Risiko auf einen Schlaganfall um 34 Prozent und das Risiko auf eine Koronare Herzkrankheit um 21 Prozent, wie das US-National Heart, Lung and Blood Institute erwähnt.

Eine Überraschung ist sicherlich, dass keines der Gene den dominierenden Regulationsmechanismus des Blutdrucks, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, betrifft. Zwei Varianten betreffen allerdings natriuretische Peptide, die Gefäße erweitern und in die Regulierung des Salzgehalts in der Niere eingreifen, was sich in bekannte pathogenetische Konzepte fügt.

Zwei weitere Gene beeinflussen den Austausch von Kalzium an Membranen: ATP2B1 kodiert das Enzym PMCA1, das auf der Zellmembran am Transport von Kalzium beteiligt ist. CACNB2 enthält die genetische Information für Teile eines Kalziumkanals. 

Bei anderen Genen fällt die Zuordnung zur Pathogenese der arteriellen Hypertonie schwerer: CYP17A1 kodiert ein Enzym, das für die Produktion von Steroiden benötigt wird. Das könnte etwa auf den Einfluss von Stressfaktoren hinweisen.

SH2B3 wurde in früheren Untersuchung mit Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht, was bei der arteriellen Hypertonie ein völlig neuer Erklärungsansatz wäre. Andere Gene sind am Zellwachstum beteiligt oder für die korrekte Entwicklung des Herzens verantwortlich. Letzteres ist ebenfalls ein interessanter neuer Aspekt, der noch zu untersuchen wäre.

Während eine konkrete Anwendung in der klinischen Medizin (etwa ein Gentest) als Folge der GWAS sicherlich nicht zu erwarten ist, hoffen die Grundlagenforscher auf neue Anregungen zum Verständnis der arteriellen Hypertonie, die in Deutschland bei etwa 15 bis 20 Millionen Menschen vorliegt.

Zumeist findet sich für die allermeisten Fälle auf individueller Basis keine Ursache, auch wenn hoher Kochsalzkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch und eine genetische Veranlagung als wichtige Risikofaktoren lange bekannt sind. © rme/aerzteblatt.de 

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