Dienstag, 12. Mai 2009
Wie das Pharmamarketing Medizinstudenten prägt
Philadelphia – Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Wie nachhaltig das Marketing der Arzneimittelhersteller bereits bei Medizinstudenten wirkt, zeigt eine randomisierte Studie in den Archives of Internal Medicine (2009; 169: 887-893). Das Logo war außerdem auf dem Notizpapier mit der Identifikationsnummer der Teilnehmer vorhanden. Das reichte aus, um die Ergebnisse in dem folgenden Test zu beeinflussen. Es handelte sich um einen sogenannten Impliziten Assoziationstest (IAT), mit dem die (oft unbewussten) Einstellungen gegenüber bestimmten Dingen (hier Lipidor® und Zocor®) untersucht werden. Zocor® enthält Simvastatin, das in den USA als Generikum zu günstigen Preisen verkauft wird. Der IAT maß, wie schnell die Studenten am Computerbildschirm Wortpaare zuordnen konnten, die einmal aus dem Objekt (Lipidor oder Zocor) und positiven oder negativen Eigenschaften (nützlich/unnütz, angenehm/unangenehm, gut/schlecht et cetera) bestehen. Eine positive Grundhaltung beschleunigt dabei die Zuordnung der Objekte zu positiven Eigenschaften – etwa das Wortpaar Lipidor und „nützlich“. Wie zu erwarten, blieben die Lipidor-Logos nicht ohne Wirkung. Die Studenten assoziierten Lipidor schneller mit positiven Eigenschaften. Dies war allerdings nur bei den Studenten aus Miami der Fall, die durch das ungehinderte Marketing der Firmen auf dem Campus auf eine positive Einstellung gegenüber den Pharmafirmen und ihren Produkten anscheinend geprägt waren. Bei den Studenten aus Philadelphia wurde der gegenteilige Effekt gemessen. Hier induzierten die Logos eher eine skeptische Haltung gegenüber dem Präparat Lipidor. Ein Branding-Effekt war übrigens nur bei den Studenten im vierten Studienjahr vorhanden, was Grande auf die größere Vertrautheit der Studenten mit den Präparaten im klinischen Unterricht zurückführt. Insgesamt beweise die Studie, dass eine subtile Exposition gegenüber den Werbebotschaften der Industrie einen nachhaltigen Einfluss hat und dass die Universitäten durch strenge Richtlinien diesen Einfluss eindämmen können. © rme/aerzteblatt.de Um Nachrichten kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden. |
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