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Werbung verleitet Jugendlichen zum Trinken

Dienstag, 12. Mai 2009

Hamburg – Je mehr Alkoholwerbung Jugendliche schauen, desto mehr Alkohol trinken sie. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Angestellten Kasse (DAK) in einer aktuellen Studie. Als erster seiner Art in Deutschland verdeutlicht der neue Forschungsbericht den starken Zusammenhang zwischen Alkoholwerbung und dem Alkoholkonsum junger Menschen.

„Bisher basierte die deutsche Forschung in diesem Bereich auf internationalen Daten, die lediglich auf Deutschland übertragen wurden“, erläutert Cornelius Erbe, Leiter des DAK-Geschäftsbereiches Produktmanagement. 

Alkoholwerbung ist auch in Deutschland für den Großteil der Jugendlichen allgegenwärtig: Lediglich 1,5 Prozent der befragten 3.400 Schüler gab an, noch nie eine der vorgegebenen Alkoholwerbungen gesehen zu haben. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Jungen trinken nicht nur mehr und exzessiver, sie sind auch anfälliger für promillehaltige Werbebotschaften. „Jungen nehmen Alkoholwerbung eher wahr als Mädchen“, erklärt Erbe.

Bei Kontrollwerbungen, beispielsweise für Handys und Süßigkeiten, sei dieser Effekt nicht aufgetreten. Auch das so genannte Koma-Saufen wird durch Alkoholwerbung beeinflusst: So konsumiert die Gruppe mit dem höchsten Werbekontakt doppelt so oft exzessiv Alkohol wie die mit dem niedrigsten Werbekontakt.

Angesichts des zunehmenden Alkoholmissbrauchs unter Kindern und Jugendlichen und der vorliegenden Studienergebnisse fordert die DAK eine gesetzliche Neuregelung. „Die im letzten Jahr eingeführte Selbstverpflichtung reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche zu schützen“, so Erbe.

Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) sagte, trotz anderer Behauptungen beeinflusse nachweislich die Werbung die Einstellung zu Alkohol sowie das spätere Trinkverhalten. Sie forderte, dass durch den Deutschen Werberat eine „effiziente Selbstkontrolle der Werbung“ für alkoholische Getränke sichergestellt werden müsse. 

Zudem sollten die Spots vor der Ausstrahlung im Fernsehen durch eine obligatorische Selbstkontrolle gehen. „Es geht nicht um weniger Alkoholwerbung, sondern auf das Verzichten bestimmter jugendaffiner Elemente und Motive in der Werbung“, erläuterte Bätzing.

Der Suchtbeauftragte des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolf-Rüdiger Horn, führt die gezielte Alkoholwerbung darauf zurück, dass in den vergangenen Jahren die Konsummenge bei den Jugendlichen und Erwachsenen insgesamt langsam zurückging. Die jungen Leute seien jedoch durch übermäßigen Alkoholkonsum besonders gefährdet, warnte der Mediziner. 

Welche Auswirkungen das Komasaufen habe, sei medizinisch noch viel zu wenig erforscht. Es gehe bei der Aufklärung nicht um „böse Jugendliche, sondern um sachliche Informationen“. © hil/ddp/aerzteblatt.de

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