Montreal – Die Anreicherung des Mehls mit Folsäure hat in Kanada nicht nur zu einem Rückgang der Neuralrohrdefekte geführt. Nach einer neuen Untersuchung im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 338: b1673) ist auch die Zahl der angeborenen Herzfehler gesunken.
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In Kanada wird das Mehl seit Dezember 1998 mit Folsäure angereichert. Wie erwartet kam es danach zu einem Rückgang der Neuralrohrdefekte bei Neugeborenen um 46 Prozent (NEJM 2007; 357: 135-142), denn ein Folsäuremangel gilt als wichtiger Risikofaktor für diese Fehlbildung.
Tierexperimentelle Studien lassen vermuten, dass Folsäure auch für die Morphogenese des Herzmuskels benötigt wird. Ob eine Substitution jedoch einer Entstehung von Herzfehlern vorbeugen kann, war umstritten.
Die Gruppe um Louise Pilote von der der McGill Adult Unit for Congenital Heart Disease Excellence (MAUDE) in Montreal hat jetzt die Entwicklung in der Prävalenz einiger schwerer Herzfehlern untersucht, die in der Regel eine ärztliche Behandlung/Operation erfordern und deshalb selten unerkannt bleiben.
Dies waren die Fallot-Tetralogie, Endokardkissendefekte, univentrikuläre Herzen und ein Truncus arteriosus communis. Die Prävalenz dieser vier kongenitalen Herzvitien war in der kanadischen Provinz Quebec in den 90er-Jahren im Durchschnitt um 0,8 Prozent pro Jahr gestiegen. Seitdem das Mehl mit Folsäure angereichert wird, ist es zu einem Rückgang um 4,6 Prozent pro Jahr (6,2 Prozent, wenn das letzte Jahr 2005 einbezogen wird) gekommen. Wie lange dieser Trend noch anhält, ist unklar.
Eine präventive Wirkung der Folsäureanreicherung war auch in einer früheren randomisierten Studie aus Ungarn – in einem sekundären Endpunkt – aufgetreten. Dort war die Rate der angeborenen Herzfehler sogar um 40 Prozent gesunken (Birth Defects Research Part A: Clinical and Molecular Teratology 2004; 70: 853-61).
Die Ergebnisse dürften den Druck auf europäische Entscheidungsträger erhöhen, die sich bisher einer „Zwangsanreicherung“ von Mehl widersetzt haben. Begründet wird dies mit potenziellen Risiken (etwa der Maskierung einer Vitamin B12-Hypovitaminose bei älteren Menschen) und dem Hinweis, eine gezielte Folsäureprävention bei Schwangeren könnte den gleichen Effekt erzielen.
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