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Medizin

Formaldehyd als Lymphom- und Leukämierisiko

Mittwoch, 13. Mai 2009

Bethesda – Fabrikarbeiter, die über viele Jahre einer höheren Konzentration von Formaldehyd ausgesetzt waren, erkrankten nach den Ergebnissen einer Studie im Journal of the National Cancer Institute (2009; doi: 10.1093/jnci/djp096) häufiger an Lymphomen oder Leukämien. 

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Formaldehyd ist ein wichtiger Grundstoff in der Industrie, der zur Synthese chemischer Verbindungen verwendet wird. Da er bei Zimmertemperatur gasförmig ist, kann es schnell zu einer Exposition kommen. Betroffen sind in erster Linie Arbeiter der chemischen Industrie, bei denen in früheren Untersuchungen bereits eine erhöhte Rate von nasopharyngealen Karzinomen gefunden wurde.

Dies war bisher der einzige epidemiologische Beweis, dass die in Tierversuchen nachgewiesene Karzinogenität für den Menschen relevant sein kann. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft Formaldehyd seit 2004 als „krebserregend für den Menschen“ ein. Dem hat sich auch das Bundesinstitut für Risikobewertung angeschlossen. 

Jetzt liefert die Analyse einer größeren US-Kohorte einen weiteren Beleg für die krebsauslösende Wirkung von Formaldehyd. Die Epidemiologin Laura Beane Freeman vom National Institute of Health in Bethesda hat die Ursache von etwa 14.000 Todesfällen unter 25.000 Arbeitern analysiert, die an einer von zehn Fabriken beschäftigt waren, in denen Formaldehyd hergestellt oder im großen Umfang benutzt wurde. Dabei wurde die geschätzte Exposition mit den Todesursachen in Verbindung gesetzt. 

Ergebnis: Arbeiter mit einer Exposition von mehr als 4 ppm (gegenüber weniger als 2 ppm) erkrankten zu 37 Prozent häufiger an Lymphomen oder Leukämien (relatives Risiko RR 1,37; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,03-1,81). Für den Morbus Hodgkin wurde sogar ein vierfach erhöhtes Risiko gefunden (RR 3,96; 1,31-12,02).

Für andere Erkrankungen (Plasmozytom, myeloische Leukämie) und für alle Leukämien als Gruppe war das Risiko nur tendenziell erhöht. Die Studie ergab ferner, dass das Risiko nach 1990 zurückging, möglicherweise eine Folge der verbesserten Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz.

Formaldehyd hat eine keimtötende Wirkung. Es wurde und wird deshalb vielen Bedarfsgegenständen zugefügt. Die Konzentration in Kosmetika ist gesetzlich geregelt. Für Textilien gilt eine Kennzeichnungspflicht mit dem Hinweis, die Kleidung vor dem ersten Tragen zu waschen. Eine höhere Exposition macht sich an einem stechenden Geruch bemerkbar.

In die Schlagzeilen geriet Formaldehyd in den 70er- und 80er-Jahren, als verschiedene Möbelhersteller dem Holzleim Formaldehyd zugesetzt hatten. Bei Raumtemperatur dünstete das Formaldehyd aus, viele Verbraucher klagten daraufhin über Geruchsbelästigungen, aber auch über Reizungen der Schleimhäute. © rme/aerzteblatt.de

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