Nürnberg – In der Debatte um Spätabtreibungen fordert der Medizinethiker Giovanni Maio eine Entschärfung des Haftungsrechts für Ärzte. Aus Angst vor Regressforderungen der Eltern neigten manche Ärzte zu drastischen Beschreibungen über Ausmaß und Folgen einer möglichen Behinderung des ungeborenen Kindes, sagte der Direktor des Freiburger Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin der Nürnberger Zeitung vom Donnerstag.
„Wenn sie die Diagnose sehr drastisch formulieren und so tun, als wäre es eine Katastrophe, ein Kind mit Trisomie 21 zu bekommen, ist ein Schwangerschaftsabbruch oft schon programmiert“, erläuterte Maio.
Bei Änderungen des Haftungsrechts fiele es den Ärzten dagegen leichter, die Frauen zu einer Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen, sagte der Medizinethiker, der auch Mitglied des Ausschusses für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer ist. Er halte es für sehr bedenklich, dass die Schwangerschaft im Zuge der Pränataldiagnostik immer mehr zu einer Krankheit gemacht worden sei.
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