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Medizin

„Ovulations-Gen” gefunden

Montag, 18. Mai 2009

Rotterdam/Boston/Cambridge – Menarche und Menopause, also das Alter bei der ersten und letzten Ovulationen, unterliegen genetischen Einflüssen, wie vier Teams in Nature Genetics (2009; doi:10.1038/ng.382 und 385-387) berichten.

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Die Dauer der Fortpflanzungsfähigkeit ist von medizinischer Bedeutung, da eine frühe Menarche und eine späte Menopause wegen der längeren Östrogenexposition Risikofaktoren für das Mammakarzinom und das Endometriumkarzinom sind – andererseits soll eine späte Menopause einen gewissen Schutz vor einer Osteoporose bieten.

Die frühe Menarche ist aber auch von sozialpsychologischem Interesse, da sie häufig mit Verhaltensstörungen, Schulproblemen und Drogenerfahrungen einhergeht, die auch als Folge der frühen Östrogenausschüttung gedeutet werden können, auch wenn zweifellos Umweltfaktoren (Ernährung und Bewegungsmangel) existieren und vermutlich überwiegen. 

Die Entwicklung der genomweiten Assoziationsstudien hat jetzt die Möglichkeit eröffnet, die genetischen Einflüsse zu untersuchen. Die vier Forschergruppen aus den Niederlanden (Stolk et al. und He et al.), Großbritannien (Perry et al.) und den USA (Ong et al.), die ihre Tätigkeiten teilweise vernetzt haben, stellen eine Reihe von Genvarianten vor, die mit einer frühen Menarche und/oder einer späten Menopause einhergehen.

Die Gene sind auf verschiedenen Chromosomen (5, 6, 9,19) lokalisiert. Hervorzuheben, weil von allen vier Gruppen erwähnt, ist LIN28B auf dem Chromosom 6q21. LIN28B (für lin-28 homolog B) ist ein entwicklungsgeschichtlich altes Gen. Es ist schon beim Fadenwurm C. elegans vorhanden und steuert dort als Transkriptionsfaktor die Aktivität anderer Gene. Beim Menschen beeinflusst es die Menarche der Frau, aber auch die Körpergröße. 

Bestimmte Varianten von LIN28B waren in den Studien mit einem um 3 Monate früher einsetzten Beginn der Menstruationen assoziiert. Der Einfluss ist demnach relativ gering, wenn man bedenkt, dass die Ovulation im Alter von 9 bis 16 Jahren einsetzen kann. Die Assoziation mit der Körpergröße könnte übrigens erklären, warum kleinere Mädchen häufiger eine frühere Menarche haben, wobei wiederum nicht ausgeschlossen ist, dass die Ernährung, auch über den Body-Mass-Index, hier einen Einfluss hat.

Zu den biologischen Wirkungen der anderen Gene scheint es erst wenige Erkenntnisse zu geben. Die Studien liefern nur erste Ansatzpunkte, die Gegenstand weiterer Forschungen sein dürften. © rme/aerzteblatt.de

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