Oxford – Schizophreniepatienten geraten häufiger als andere Menschen mit dem Gesetz in Konflikt. Verantwortlich dafür ist nach einer Studie im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2009; 301: 2016-2023) jedoch nicht die Grunderkrankung, sondern der bei den Patienten häufige Drogenkonsum.
Es besteht kein Zweifel daran, dass Patienten mit Schizophrenie häufiger als andere gewalttätig werden. Von den etwa 8 000 Patienten, bei denen zwischen 1973 bis 2006 in Schweden die Diagnose einer Schizophrenie gestellt wurde, entdeckten Seena Fazel 13,2 Prozent, also mehr als jeden siebten, in den schwedischen Strafregistern wieder.
Sie waren wegen Einschüchterungen oder Drohungen, Raub oder Körperverletzung, sexueller Belästigung, Brandstiftung oder sogar wegen Tötungsdelikten verurteilt worden. Die Rate lag deutlich höher als in einer Kontrollgruppe Gleichaltriger. Eine weitere Analyse ergab jedoch, dass jeder zweite auffällig gewordene Patient mit Schizophrenie gleichzeitig wegen Drogenvergehen polizeilich bekannt war. Mehr als jeder vierte Patient mit Drogenkonsum (27,4 Prozent) wurde straffällig.
Das Risiko war in dieser Gruppe 4,4-fach höher als in der Kontrollgruppe. Bei den Patienten ohne Drogenkonsum war das Risiko gegenüber einer Kontrollgruppe nur minimal (um 20 Prozent) erhöht, und auch dieses Risiko könnte, so zeigen weitere Analysen, auf familiäre Einflüsse (Gene oder Umwelt) zurückzuführen sein.
Die Studie zeigt nach Ansicht der Autoren, dass die weit verbreitete Stigmatisierung der Patienten als „Verrückte” nicht gerechtfertigt ist. Die Patienten werden nicht etwa durch die Positivsymptome wie Halluzinationen oder Illusionen zu kriminellen Taten getrieben (was früher ein beliebtes Filmmotiv war). Die Beweggründe für die Taten sind eher in den profanen Nöten zu suchen, die sich auch bei mental gesunden Menschen aus einer Drogensucht ergeben können.
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