Krebsmedikament beseitigt Fingerabdruck
Mittwoch, 27. Mai 2009
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| dpa |
Singapur – Das Fuß-Hand-Syndrom, eine bekannte Nebenwirkung des Krebsmedikaments Capecitabin, brachte einen Patienten aus Singapur bei der Einreise in die USA in Bedrängnis. Die Kontrolleure hielten den Mann über vier Stunden fest, da sie keine Fingerabdrücke bei ihm fanden, berichtet der behandelnde Arzt in den Annals of Oncology (2009: doi: 10.1093/annonc/mdp278Stallmach).
Herr S., ein 62-jähriger Patient mit einem metastasierten Nasopharyngealkarzinom, wollte Verwandte in den USA besuchen. Er ahnte wohl nichts Böses, als die Beamten der US-Einreisebehörde bei ihm Fingerabdrücke anfertigen wollten. Dies ist seit einigen Jahren Routine an allen internationalen Flughäfen in den USA. Die Behörden hoffen durch den Abgleich mit gespeicherten Daten illegale Einreisende oder sogar Kriminelle aufzuspüren.
Dieser Verdacht fiel auch auf Herrn S., nachdem es den Beamten nicht gelang, einen lesbaren Fingerabdruck abzunehmen. Es dauerte vier Stunden, bis sich die Beamten davon überzeugt hatten, dass von dem bedauernswerten Krebspatienten keine Gefahr ausgeht. Er durfte einreisen. Die Einwanderungsbehörde riet ihm aber dringend, künftig einen Attest seines behandelnden Onkologen bei sich zu führen, der die Nebenwirkungen des Wirkstoffs erläutert.
Wie Eng-Huat Tan vom National Cancer Centre in Singapur berichtet, war sein Patient seit mehr als drei Jahren mit Capecitabin behandelt worden. Er entwickelte darunter ein Fuß-Hand-Syndrom im Stadium 2. Es ist gekennzeichnet durch erythematöse Hautveränderungen die mit Abschuppungen der Haut, Blasenbildungen, Blutungen und einer Schwellung einhergehen. Der Patient konnte die Therapie fortsetzen, da die Veränderungen die Funktion der Hände nicht beeinträchtigten.
Ein Verlust der Fingerabdrücke wurde bisher in der Literatur nicht als Kennzeichen des Fuß-Hand-Syndroms beschrieben. Nach Auskunft von Tan wurde es aber in verschiedenen Blogs von Krebspatienten erwähnt.
Capecitabin ist nicht das einzige Medikament, das ein Fuß-Hand-Syndrom auslösen kann. Erstmals beschrieben wurde es 1974 unter der Therapie mit dem Zytostatikum Mitotane. Auch hei 5-FU, Doxorubicin, Vinorelbin, Docetaxel u.a., kann diese Komplikation auftreten. © rme/aerzteblatt.de
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