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Barrett-Ösophagus: Katheterablation als Alternative zur Operation

Donnerstag, 28. Mai 2009

Chapel Hill – Eine Radiofrequenzablation mit einem Spezialkatheter kann die Läsionen eines Barrett-Ösophagus in den meisten Fällen beseitigen. Nach einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2009; 360:2277-2288) ist die Behandlung in allen Stadien effektiv. Sie könnte eine Alternative zu chirurgischen Eingriffen sein. 

In den letzten vier Jahrzehnten hat sich die Zahl der Menschen mit Barrett-Ösophagus verfünffacht. Die Erkrankung selbst – Folge eines chronischen gastrointestinalen Refluxes – ist nicht lebensbedrohlich, doch bei einem geringen Anteil der Patienten schreitet die intestinale Metaplasie zur hochgradigen Dysplasie oder zum Adenokarzinom voran (0,9 bzw. 0,5 Prozent pro Jahr).

Dann ist eine partielle Ösophagektomie notwendig, die mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden ist. Vor diesem Hintergrund wäre eine einfache und sichere Katheterbehandlung, welche die Läsionen beseitigt, segensreich. Zu diesem Zweck wurde bereits eine photodynamische Therapie entwickelt, doch die jetzt vorgestellten Ergebnisse zu einer Radiofrequenzablation scheinen wesentlich günstiger zu sein, auch wenn dieses Urteil eigentlich einer direkten Vergleichsstudie vorbehalten bleiben sollte.

Die Behandlung wird mit einem Spezialkatheter durchgeführt, den die Firma BÂRRX Medical aus Sunnyvale/Kalifornien entwickelt hat. In einem ersten Schritt wird unter endoskopischer Sicht ein Sizing-Ballonkatheter vorgeschoben, der den Durchmesser an der erkrankten Stelle des Ösophagus misst.

Er wird zurückgezogen und durch den Ablationskatheter in der passenden Größe ersetzt. Dieser Ballonkatheter ist so konstruiert, dass er an seiner Oberfläche auf einer Länge von etwa 3 cm ringsum kurze Radiowellen abgibt, welche die Schleimhaut so weit erhitzen, dass es zum Absterben des Epithels und damit auch der Läsionen des Barrett-Ösophagus kommt.

In einer randomisierten Studie wurde die Radiofrequenzablation mit einer Scheinbehandlung an 127 Patienten verglichen – mit überzeugenden Ergebnissen, wie der Editorialist Jacques Bergman vom Academic Medical Center in Amsterdam findet (NEJM 2009: 360: 2353-2355): Bei 90,5 Prozent der Patienten mit einer Low-grade-Dysplasie waren bei einer Nachuntersuchung nach 12 Monaten die Läsionen komplett abgeheilt (gegenüber 22,7 Prozent nach der Scheinbehandlung).

Aber auch bei den Patienten mit High-grade-Dysplasie wurde diese „Eradikation“ in 81 Prozent der Fälle erzielt (gegenüber 19 Prozent nach der Scheinbehandlung). Auch die Zahl der Patienten, bei denen die Erkrankung fortschritt oder sich ein Karzinom entwickelte, wurde gesenkt, auch wenn hier wegen der begrenzten Teilnehmerzahl keine signifikanten Unterschiede zu erwarten waren. 

Die Verträglichkeit der Therapie wird als gut beschrieben. Wie Nicholas Shaheen von der Universität in Chapel Hill und Mitarbeiter  berichten, kommt es nach der Behandlung zwar vorübergehend zu Thoraxschmerzen, die aber medikamentös gelindert werden können.

Ernsthafte Komplikationen waren selten: Nur ein Patient erlitt eine obere gastrointestinale Blutung, fünf weitere (6 Prozent) entwickelten eine ösophageale Struktur, die in allen Fällen erfolgreich dilatiert werden konnte.

Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass sich für den Editorialisten Bergman weniger die Frage stellt, ob die Radiofrequenzablation sich durchsetzt, sondern ab welchem Stadium sie sinnvoll ist. Denn auch die intestinale Metaplasie, ein frühes Stadium der Erkrankung, kann durch die Behandlung beseitigt werden.

Diese Veränderungen sind sehr häufig (ein Prozent der Erwachsenen), und nach Ansicht von Bergman sollte zunächst in einer Studie geprüft werden, wie die Langzeitergebnisse der Behandlung sind und ob die Patienten in den frühen Stadien davon profitieren. Mit anderen Worten: Die Studie könnte den Boden für eine teure und unnütze Übertherapie bereiten. © rme/aerzteblatt.de

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