Edinburgh – Kompressionsstrümpfe sind bei Patienten, die wegen eines Schlaganfalls hospitalisiert werden, nicht geeignet, die Zahl der tiefen Venenthrombosen zu senken. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine randomisierte Studie im Lancet (2009; doi: 10.1016/S0140-6736(09)60941-7).
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Elastische Kompressionsstrümpfe sind in der Versorgung von bettlägerigen Patienten an vielen Kliniken eine Selbstverständlichkeit. Eine Reihe von kontrollierten klinischen Studien hat auch gezeigt, dass die Kompression der Venen die Bildung von Thrombosen verhindern kann, die schnell zum Ausgangspunkt einer tödlichen Lungenembolie werden.
Eine Cochrane-Analyse auf der Basis von 16 randomisierten klinischen Studien attestiert dieser Maßnahme eine hohe Effektivität – auch vor dem Hintergrund anderer prophylaktischer Maßnahmen (Cochrane Database of Systematic Reviews 2000; doi: 10.1002/14651858.CD001484).
Die dieser Bewertung zugrunde liegenden Studien wurden jedoch allesamt bei chirurgischen Patienten durchgeführt. Die Clots in Legs or Stockings After Stroke oder CLOTS-1-Studie hat jetzt erstmals an einer größeren Patientengruppe untersucht, ob eine präventive Wirkung auch bei Schlaganfallpatienten vorhanden ist.
An 64 Zentren in Großbritannien, Australien und Italien nahmen 2.518 Patienten an der Studie teil. Sie waren innerhalb einer Woche nach einem Schlaganfall in die Klinik eingeliefert worden und bettlägerig. Die Hälfte der Patienten wurde mit bis zum Oberschenkel reichenden Kompressionsstrümpfen versorgt, in der Hoffnung, dass dadurch die Rate der tiefen Venenthrombosen (DVT) gesenkt wird.
Doch die Ergebnisse, die Martin Dennis von der Universität Edinburgh und Mitarbeiter jetzt publizieren, lassen dies nicht erkennen: Die Rate der sonografisch diagnostizierten DVT – der primäre Endpunkt der Studie – war in beiden Gruppen gleich: 10,0 Prozent mit und 10,5 Prozent ohne Kompressionsstrümpfe. Der nicht signifikante Unterschied war zu gering, um den Einsatz von Kompressionsstrümpfen zu rechtfertigen.
Eine absolute Risikoreduktion von 0,5 Prozent würde (wäre sie signifikant ausgefallen) bedeuten, dass 200 Patienten mit Strümpfen versorgt werden müssten, um eine DVT zu verhindern (Number Needed to Treat). Zu bedenken ist ferner, dass die Kompressionsstrümpfe nicht nur bei Patienten und Personal unbeliebt sind. Bei 5 Prozent der Träger (ein Prozent in der Kontrollgruppe) kam es zu Hautläsionen bis hin zur Nekrose.
Die Editorialisten Philip Bath und Timothy England von der Universität Nottingham raten, bei Schlaganfallpatienten auf Kompressionsstrümpfe zu verzichten – freilich ohne erklären zu können, worin sich Schlaganfallpatienten und chirurgische Patienten in diesem Punkt unterscheiden (Lancet 2009; doi: 10.1016/S0140-6736(09)60990-9). Ob die Leitlinienautoren diese Forderung aufgreifen werden, bleibt abzuwarten. Ignorieren lassen sich die Daten der CLOTS-1-Studie sicherlich nicht.
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