Washington – Propylthiouracil, ein in der Therapie des Morbus Basedow verwendetes Thyreostatikum, kann Funktionsstörungen der Leber bis hin zum Organversagen auslösen. Darauf macht die US-amerikanische Arzneibehörde FDA aufmerksam. Unter Thiamazol (auch Methimazol genannt) scheint das Risiko eines Leberversagens geringer zu sein.
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Propylthiouracil wurde 1947, Thiamazol 1959 in die Therapie des Morbus Basedow und anderer Hyperthyreosen eingeführt. Beide Wirkstoffe haben sich in der Therapie bewährt, und dass es unter der Therapie zu einem Anstieg der Leberenzyme kommen kann, ist bekannt Auch die deutschen Fachinformationen weisen darauf hin.
Nicht explizit erwähnt wird allerdings, dass die Hepatotoxizität, wenn auch vermutlich sehr selten, bis zum Leberversagen fortschreiten kann. Der FDA sind seit Einführung der UAW-Meldungen (Adverse Event Reporting System) im Jahr 1947 (bis Oktober 2008) 32 Fälle eines Leberversagens im Zusammenhang mit dem Einsatz von Propylthiouracil bekannt geworden. Von den 22 Erwachsenen starben 12 am Leberversagen und 5 benötigten eine Lebertransplantation. Unter den 10 Kindern gab es einen Todesfall und 6 Lebertransplantationen.
Diese Todesfälle bei Kindern wurden im Oktober letzten Jahres auf einer Tagung des Eunice Kennedy Shriver National Institutes of Child Health thematisiert. Es folgte Anfang April ein Leserbrief im New England Journal of Medicine (2009; 360: 1574-1575), in dem die Inzidenz eines durch Propylthiouracil induzierten schweren Leberschadens auf 1 zu 2.000 bis 1 zu 4.000 geschätzt wurde.
Die Autoren forderten Propylthiouracil bei Kindern nicht mehr als Mittel der ersten Wahl einzusetzen, zumal es mit Thiamazol einen Wirkstoff gebe, der bisher bei Kindern in keinem Fall mit einem Leberversagen in Verbindung gebracht wurde. Die US-amerikanische Endocrine Society schloss sich in einer Pressemitteilung dieser Haltung an.
Mitte April führte die FDA zusammen mit der American Thyroid Association eine Tagung durch, die sich auch mit der Sicherheit von Propylthiouracil bei Erwachsenen beschäftigte. Die Experten schätzten das Risiko einer schweren Leberschädigung durch Propylthiouracil auf 0,1 bis 1 Prozent und die Gefahr eines Leberversagens bei Erwachsenen auf 1 zu 10.000, wobei klar war, dass dies nur eine vage Angabe sein kann.
Es wurde diskutiert, ob auch bei Erwachsenen zugunsten von Methimazol auf den Einsatz von Propylthiouracil verzichtet werden sollte. Hierbei ist zu bedenken, dass Thiamazol deutlich häufiger als Propylthiouracil verordnet wird (340.000 vs. 101.000 Patienten in den USA im Jahr 2008).
Andererseits wird Thiamazol bei Erwachsenen ebenfalls mit einem schweren Leberversagen in Verbindung gebracht, wenn auch seltener als Propylthiouracil. Die FDA nennt 5 AERS-Meldungen eines Leberversagens. Alle traten bei Erwachsenen auf und drei endeten tödlich.
Die FDA gibt zu bedenken, dass einige Patienten eine Allergie oder Unverträglichkeit auf Thiamazol haben und deshalb auf Propylthiouracil angewiesen sind. Außerdem seien, wenn auch seltene Fälle einer Embryopathie (Aplasia cutis) unter Thiamazol (nicht aber unter Propylthiouracil) beobachtet worden, weshalb Propylthiouracil im ersten Trimenon der Schwangerschaft möglicherweise die sichere Wahl sei.
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