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Neuer Wirkstoff hilft bei MDR-Tuberkulose

Donnerstag, 4. Juni 2009

Yardley – Ein neuartiges Chinolon-Antibiotikum könnte die schwierige Behandlung der multi-resistenten (MDR)-Tuberkulose verbessern. Die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 360: 2397-2405) sind vielversprechend. Es gibt aber offene Fragen zur Sicherheit und zur Pharmakokinetik.

Der neue Wirkstoff TMC207 (früher auch als R207910 bezeichnet) wurde vor einigen Jahren von einem Mitarbeiter von Janssen Pharmaceutica entdeckt. Es handelt sich um ein Diarylquinolin. Im Gegensatz zu anderen Chinolonen hemmt es nicht das Enzym Gyrase, sondern (die Protonenpumpe für) eine ATP-Synthase in den Mitochondrien.

Es behindert damit auf empfindliche Weise die Energieversorgung der Tuberkulose-Bakterien, was sich bereits in präklinischen Studien als vielversprechender neuer Therapieansatz erwiesen hatte. Dieser Eindruck wird jetzt durch eine klinische Phase-II-Studie bestätigt, die der Hersteller, die Janssen-Tochter Tibotec mit Sitz in Yardley/Pennsylvania, in Südafrika durchführen ließ, wo die MDR-Tuberkulose weit verbreitet ist.

Teilnehmer waren 47 Patienten mit einer neu diagnostizierten MDR-Tuberkulose, die mit einer Standardkombination aus 5 Zweitlinien-Medikamenten behandelt wurden. Die Patienten erhielten zusätzlich jeweils zur Hälfte ein Placebo oder TMC207.

Bereits nach acht Wochen hatte TMC207 den Anteil der Patienten mit einer Konversion in der Sputumkultur (von Tb-positiv auf Tb-negativ) von 9 Prozent (im Placebo-Arm) auf 48 Prozent gesteigert. Die Wirkung war so rasch, dass TMC207 die Wahrscheinlichkeit einer Konversion um den Faktor 11,8 steigerte, allerdings mit einem durch die geringe Teilnehmerzahl bedingten weiten 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,3 bis 61,3.

Die Sicherheit des neuen Wirkstoffs kann nach einer Behandlung von 23 Patienten (in der aktuellen Studie) noch nicht abschließend beurteilt werden. Zwar war die Abbruchrate in beiden Therapie-Armen gleich und schwere Komplikationen sind offenbar nicht aufgetreten.

Unter TMC207 kam es jedoch deutlich häufiger zu Nebenwirkungen (26 vs. 4 Prozent), die in erster Linie den Gastrointestinaltrakt (Nausea, Diarrhoe) betrafen. Auch wenn die Nebenwirkungen mild waren, könnten sie doch die Compliance der Patienten beeinflussen, deren Bedeutung für den Erfolg der Tuberkulosebehandlung kaum unterschätzt werden kann.

Der Editorialist Clifton Barry (NEJM 2009; 360: 2466-2467) weist noch auf die problematische Biotransformation von TMC207 hin, das in der Leber ausgerechnet von dem Enzym CYP3A4 metabolisiert wird, das von Rifampicin induziert wird.

Für die Patienten mit MDR-Tuberkulose ergeben sich daraus keine Probleme, da hier definitionsgemäß eine Rifampicin-Resistenz vorliegt und dieses traditionelle Tuberkulostatikum hier nicht infrage kommt. Er weist aber auch darauf hin, dass der Einsatz von TMC207 zunächst auf die MDR-Tuberkulose beschränkt bleiben dürfte, wo es allerdings die Therapiezeiten verkürzen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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