Hohe Kosten durch Mängel bei Versorgung von Demenzkranken
Montag, 8. Juni 2009
Berlin – Fehl- und Unterversorgung bei der Behandlung von Demenzkranken kosten die Krankenkassen mehrere Millionen Euro jährlich. Das geht aus einer Studie der Barmer Ersatzkasse hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.
Die Krankenkasse hatte für eine Kostenanalyse anonymisierte Abrechnungsdaten von 21.500 Alzheimer-Demenz-Patienten auswerten lassen. Demnach sei eine Leitlinien-Behandlung mit Antidementiva insgesamt am günstigsten, allerdings seien nur sieben Prozent der Patienten auf diese Weise therapiert worden.
Aufbauend auf den Ergebnissen gelte es nun, in Kooperation mit Partnern aus der Medizin „die Lebens- und Behandlungsqualität der Versicherten zu optimieren und ein besseres Kostenbewusstsein zu schaffen“, sagte Birgit Fischer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer.
Bei der Auswertung der Patietendaten wurden drei Versorgungsgruppen unterschieden: Patienten unter Memantine-Therapie, Patienten, die mit Psychopharmaka/Hypnotika/Sedativa (P/H/S) behandelt wurden, und Patienten ohne demenzfokussierte Therapie.
Die Analyse beziffert die Gesamtversorgungskosten in der Memantine-Gruppe pro Kopf auf durchschnittlich 7.028 Euro jährlich. Die Durchschnittskosten bei Patienten aus der PHS-Gruppe sind der Studie zur Folge mit 13.549 Euro pro Jahr fast doppelt so hoch. Diese Gruppe machte etwa die Hälfte der untersuchten Fälle aus.
Ein Drittel der Patienten mit diagnostizierter Alzheimer-Demenz wurde weder mit Demenz-fokussierter Therapie noch mit Psychopharmaka behandelt. Ohne Arzneimitteltherapie beliefen sich die Kosten pro Patient im Durchschnitt auf 8.818 Euro jährlich.
Nach Angaben Fischers ist die von Merz Pharmaceuticals unterstütze Versorgungsstudie die erste ihrer Art in Deutschland. Auf Grund des umfangreichen Datenmaterials von fast zehn Millionen Datensätzen könne die Untersuchung als repräsentativ gelten.
Das Bochumer Institut für Empirische Gesundheitsökonomie analysierte die Patientendaten aus dem Jahr 2005 mit Blick auf die Kosten von Pflege, Klinikaufenthalten, Arzneimitteln, Behandlungskosten sowie Hilfs- und Heilmitteln.
In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen unter Demenz. Mehr als 250.000 Menschen erkranken jährlich neu. Gesundheitsexperten rechnen auf Grund der Überalterung der Gesellschaft mit einer Verdopplung der Demenzfälle bis zum Jahr 2030.
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