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Medizin

Metoclopramid in der Frühschwangerschaft offenbar sicher

Donnerstag, 11. Juni 2009

Beer-Shewa - Eine Exposition mit dem Antiemetikum Metoclopramid in der Frühschwangerschaft geht einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 360: 2528-2535) zufolge nicht mit vermehrten Fehlbildungen einher. 

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Die Contergan®-Katastrophe hatte gezeigt, welche Folgen der Einsatz vermeintlich harmloser Medikamente in der Frühschwangerschaft haben kann. Der Wirkstoff Thalidomid wurde damals auch zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen verschrieben, die viele Schwangere in den ersten Schwangerschaftswochen quälen.

Heute meiden Gynäkologen den Einsatz von Medikamenten im ersten Trimenon, da vielfach die Auswirkungen auf die Embryonalentwicklung nicht untersucht sind. Dies trifft auch auf Metoclopramid zu, einem wirksamen und in anderen Indikationen häufig eingesetzten Antiemetikum.

Zur Behandlung der Hyperemesis gravidarum ist Metoclopramid in Deutschland nicht zugelassen: Die Fachinformationen raten von einer Verordnung im ersten Trimenon ausdrücklich ab. Im zweiten der dritten Trimenon darf es nur bei strenger Indikationsstellung angewendet werden.

In der Praxis scheint es aber einen häufigen Off-Label-Einsatz zu geben. So waren im Süden Israels (Negev-Provinz) zwischen Januar 1998 und März 2007 insgesamt 4,2 Prozent der Schwangeren, die über die Clalit Health Services, der wichtigsten Krankenkasse in Israel (Anteil 60 Prozent), versichert sind, im ersten Trimenon mit Metoclopramid exponiert.

Die Gruppe um Rafael Gorodischer vom Soroka Medical Center in Beer-Shewa hat den Gesundheitszustand der Neugeborenen von 3.458 exponierten und 78.245 nicht exponierten Frauen verglichen.

Ergebnis: Die Exposition mit Metoclopramid war nicht mit einem signifikanten Anstieg von schweren Fehlbildungen (5,3 vs. 4,9 Prozent; adjustierte Odds Ratio OR 1,04; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,89-1,21) assoziiert. Kleinere Fehlbildungen waren ebenfalls nicht signifikant häufiger (3,8 vs. 3,5 Prozent; adjustierte OR 1,10; 0,92-1,31).

Auch die Häufigkeit eines niedrigen Geburtsgewichts (8,5 und 8,3 Prozent OR 1,01; 0,89-1,14), von Frühgeborenen (6,3 und 5,9 Prozent; OR 1,15; 0,99-134) oder perinatale Todesfälle (1,5 und 2,2; OR 0,87; 0,55-138) war nicht signifikant erhöht. Ebenso wenig bestand eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die eine mögliche Teratogenität anzeigen könnte: Frauen, die Metoclopramid über längere Zeit einnahmen, bekamen nicht häufiger Kinder mit Fehlbildungen.

Die Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen. Alle Zweifel an einer möglichen Teratogenität werden sie aber nicht ausräumen können. So ist vorstellbar, dass Frauen die unter Nausea und Emesis leiden, seltener Kindern mit Fehlbildungen zur Welt bringen. Diese Assoziation könnte eine teratogene Wirkung von Metoclopramid überdecken. Restlos ausschließen lassen sich derartige “Confounder” bei Beobachtungsstudien nicht, räumen die Autoren ein. © rme/aerzteblatt.de

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